Bei einem Anschlag auf die internationale Hilfsorganisation Save the Children in Dschalalabad ist mindestens ein Mensch getötet worden, mindestens 14 weitere wurden verletzt. Das teilte Attaullah Chogjani, Sprecher des Gouverneurs der Provinz Nangarhar, mit. Die Nachrichtenagentur dpa sprach dagegen von vier Toten – unter ihnen seien ein Zivilist und ein Mitglied der Sicherheitskräfte, die zum Ort des Anschlags gerufen worden seien. Auch mehrere Stunden nach Beginn des Überfalls berichteten Augenzeugen von Schusswechseln aus dem Haus. Nach Angaben des Sprechers seien die Gefechte aber inzwischen beendet.

Chogjani zufolge begann der Angriff um kurz nach neun Uhr Ortszeit, als zunächst ein Selbstmordattentäter vor dem Eingang des Gebäudes eine Autobombe gezündet hat. Im Anschluss stürmten bewaffnete Angreifer, die Armeeuniformen getragen haben sollen, den Komplex. Wie viele Attentäter sich noch in dem Haus befinden, blieb unklar. Auch zur Situation der Mitarbeiter, die nach Angaben eines Mitarbeiters in einen Schutzraum geflohen waren, gab es zunächst keine weiteren Informationen.

Bislang hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt. Ein Sprecher der Taliban schrieb auf Twitter, seine Gruppe sei nicht für den Anschlag verantwortlich. Save the Children zeigte sich nach dem Anschlag erschüttert. Man warte derzeit auf Informationen des Teams in Afghanistan, hieß es auf dem Twitter-Account des Hilfswerks. "Unsere größte Sorge gilt Sicherheit und Schutz unserer Kollegen." Momentan könne man nichts weiter kommentieren.

Die Sicherheitslage in Afghanistan verschlechtert sich

Save the Children ist eine der größten Hilfsorganisationen in Afghanistan. Die NGO arbeitet seit Jahrzehnten in vielen Provinzen und hilft vor allem Kindern und Müttern in den Bereichen Gesundheit und Bildung. Ihr Büro in Dschalalabad liegt in der Provinz Nangarhar an der Grenze zu Pakistan. Sie gilt als Hochburg der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) und der Taliban. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen wurden in Afghanistan in den vergangenen Jahren zunehmend zum Ziel von Anschlägen.

In einem Plan der UN für die humanitäre Arbeit in Afghanistan in diesem und in den kommenden Jahren hieß es jüngst, dass Afghanistan eines der gefährlichsten Länder der Welt für Helfer sei. In den ersten zehn Monaten von 2017 seien 17 Entwicklungs- und Nothelfer getötet, 15 verletzt und 43 entführt worden. Eine Konsequenz der neuen Gefahren sei, dass Hilfsorganisationen ihre Arbeit einschränkten. "Zwischen Juli und September ist die Zahl der Partner, die wenigstens zwei der folgenden Aktivitäten durchgeführt haben – Hilfslieferungen, Bedarfsprüfungen oder Überprüfungen von Projekten – von 170 auf 153 gefallen."

Überhaupt ist die Sicherheitslage in Afghanistan seit Ende der Nato-Kampfmission vor drei Jahren drastisch verschlechtert. Die radikalislamischen Taliban kontrollieren oder beeinflussen nach Militärangaben mittlerweile wieder rund 13 Prozent des Landes und kämpfen um weitere 30 Prozent. Der IS verübt mehr Anschläge.

Erst vor wenigen Tagen hatten die radikalislamischen Taliban ein Luxushotel in Kabul attackiert und mindestens 22 Menschen getötet. Die meisten Opfer waren Ausländer. Die Attentäter gingen bei dem mehr als zwölfstündigen Angriff von Zimmer zu Zimmer und suchten gezielt nach Ausländern.