In Deutschland werden deutlich mehr Straftaten gegen Muslime und Juden begangen als gegen Christen. Die Polizei erfasste im letzten Jahr fast 20-mal mehr politisch motivierte Straftaten mit antisemitischem und islamfeindlichem als mit christenfeindlichem Hintergrund. Das geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine schriftliche Frage der innenpolitischen Sprecherin der Grünen im Bundestag, Irene Mihalic hervor, die ZEIT ONLINE vorliegt.

Der Kriminalpolizeiliche Meldedienst habe demnach 1.495 politisch motivierte Straftaten mit antisemitischem Hintergrund erfasst, 1.069 mit islamfeindlichem Hintergrund und 127 mit christenfeindlichem Hintergrund. Die Zahlen seien aber noch nicht endgültig. Nach Änderungs- und Abschlussmeldungen der Landespolizeibehörden könnten sie korrigiert werden. Abschließende Zahlen werden erst im Laufe des Jahres veröffentlicht.

Vor zwei Wochen hatten Medienberichte über fast 100 gezielte Angriffe auf Christen im vergangenen Jahr für Aufruhr gesorgt. Nach Angaben des Bundeskriminalamts waren darunter ein Mord, neun Körperverletzungen und ein Fall von Brandstiftung. Der Innenpolitiker und Justiziar der Unionsfraktion im Bundestag, Ansgar Heveling (CDU), bezeichnete die Zahl als "alarmierend". Da "Klarheit über das Ausmaß" der Übergriffe bestehe, müsse alles zum Schutz von Christen und christlichen Einrichtungen unternommen und Strafbarkeitslücken geschlossen werden. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hatte der Funke-Gruppe gesagt: "Wer hier leben will, muss sich zwingend von einer christenfeindlichen Gesinnung verabschieden".

Irene Mihalic, kritisierte nun den Aufruhr um diese Zahl. Die Bundesregierung habe "für eine Unwucht in der Debatte gesorgt. Die viel größere Dimension antisemitischer und islamfeindlicher Taten blieb somit bei der Präsentation der Zahlen zu den christenfeindlichen Übergriffen unerwähnt." Eine einseitige Darstellung könne "rechtsextremen Vereinfachern" in die Hände spielen. Trotzdem seien mehr als 2.500 antisemitische und islamfeindliche sowie 127 christenfeindliche Straftaten "besorgniserregende Zahlen", so Mihalic.