Nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen in Cottbus hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Repräsentanten und Bürger der Stadt im Schloss Bellevue empfangen. Er dankte den Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Kirchen, Bildung, Wirtschaft und Sport dafür, sich öffentlich für ein gutes Zusammenleben in der Stadt eingesetzt zu haben, teilte das Bundespräsidialamt nach dem Treffen mit. Über konkretere Details des zweistündigen Gesprächs wurde nichts bekannt.

Die Teilnehmenden hätten vereinbart, im Gespräch zu bleiben. Steinmeier habe sich für weitere Gespräche in Cottbus angekündigt. Der erste Besuch sei im Juni geplant.

Der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU), der Ende Januar öffentlich dringend um mehr Hilfen gebeten hatte, habe das Gespräch als offen, wichtig und ermutigend empfunden, sagte ein Sprecher der Stadt. Der Präsident der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg, Jörg Steinbach, sprach von einer sehr großen Ernsthaftigkeit und von großem Interesse.

Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Cottbuser Industrie- und Handelskammer (IHK), Maik Bethke, hat nach eigenen Angaben "klargemacht, dass ich die Ursachen für Unsicherheit und Unzufriedenheit der Menschen beim Strukturwandel in der Region sehe". Cottbus gilt seit Jahren als extrem verschuldet. Zu den weitere Gästen zählten unter anderem Vertreter des Fußball-Regionalligisten FC Energie Cottbus und des Cottbuser Menschenrechtszentrums. 

Demonstration für Samstag angekündigt

Im Januar war es in Cottbus immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen gekommen. Mehrere junge Syrer waren gewalttätig geworden, daraufhin kam es zu Protesten gegen den Flüchtlingszuzug. Zudem häuften sich Angriffe von Rechtsextremen auf Migranten und Flüchtlingsunterkünfte. 

Inzwischen wurde die Polizeipräsenz aufgestockt und bis auf Weiteres werden auf Anweisung des Landes keine weiteren Flüchtlinge aus der Erstaufnahmeeinrichtung in die Stadt verteilt. Das Bündnis Zukunft Heimat, das gegen die Unterbringung von Ausländern in Cottbus mobilmacht, hat für Samstag zu einer erneuten Großdemonstration aufgerufen.