Bei Massenschlägereien unter Migranten in der französischen Stadt Calais sind mehrere Menschen schwer verletzt worden. Fünf Flüchtlinge hätten lebensbedrohliche Schusswunden erlitten, 18 weitere seien durch Schläge mit Eisenstangen verletzt worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Die erste Auseinandersetzung habe sich in der Nähe eines Krankenhauses bei einer Essensausgabe am Nachmittag ereignet. Daran seien etwa 100 Migranten beteiligt gewesen. Sie seien mit Steinen und Eisenstangen aufeinander losgegangen. Dabei seien auch die Schüsse gefallen.

Eine zweite Schlägerei ereignete sich laut Staatsanwaltschaft kurze Zeit später fünf Kilometer entfernt in der Gemeinde Marck. Dort hätten 150 bis 200 Eritreer eine Gruppe von 20 Afghanen mit Stöcken angegriffen. Die Polizei musste nach eigenen Angaben dazwischengehen, um die Afghanen zu schützen. Warum es zu der Gewalt kam, blieb zunächst unklar.

Der französische Innenminister, Gérard Collomb, kündigte auf Twitter an, nach den "schlimmen Vorfällen" noch am Donnerstagabend in die Hafenstadt am Ärmelkanal zu reisen, um sich über die Lage vor Ort zu informieren.

Etwa 800 Migranten in Calais

Mitte Januar besuchte der französische Präsident Emmanuel Macron das Flüchtlingslager. Er sagte, dass seine Regierung nicht erlauben werde, dass ein neuer "Dschungel" entstehe. Frankreich und Großbritannien einigten sich daraufhin auf eine Verschärfung des Grenzschutzes.

In Calais halten sich nach Schätzung von Hilfsorganisationen derzeit rund 800 Migranten auf. Sie versuchen, auf dem Seeweg oder durch den Eurotunnel nach Großbritannien zu gelangen. Sie leben unter prekären Bedingungen.

In dem Flüchtlingslager, das 2016 von der Polizei abgerissen wurde, hatten zeitweise bis zu 10.000 Flüchtlinge in Calais gehaust. Das als Dschungel bekannte Lager war in Frankreich zum Symbol für die Hilflosigkeit der Behörden im Umgang mit der steigenden Zahl von Migranten geworden. Zuletzt hatten in Calais im vergangenen November Migranten aufeinander geschossen, bei einem Streit unter Afghanen gab es damals fünf Verletzte.