Das Attentat an einer Highschool in Florida hätte womöglich verhindert werden können. Zum einen ging das FBI konkreten Hinweisen auf den Schützen Nikolas C. nicht nach. Zum anderen wurde der Jugendliche nach der Veröffentlichung eines verstörenden Videos sogar von der Kinderfürsorge untersucht und für stabil erklärt, wie aus Unterlagen des Familienministeriums von Florida hervorgeht.

FBI-Chef Christopher Wray räumte ein Fehlverhalten seiner Behörde ein und bat um Entschuldigung. Floridas Gouverneur Rick Scott sagte, das genüge nicht. Die Bürger müssten auf eine konsequente Polizeiarbeit vertrauen können, sagte er und verlangte Wrays Rücktritt. Der republikanische Senator Marco Rubio, der Florida im US-Kongress vertritt, forderte eine parlamentarische Untersuchung.

Kinderfürsorge war bereits eingeschaltet

Medienberichten zufolge wurde die Kinderfürsorge eingeschaltet, nachdem der spätere Attentäter 2016 ein Snapchat-Video veröffentlichte, in dem zu sehen war, dass er sich in beide Arme geschnitten hatte. Auch wurde bei dem Attentäter Autismus diagnostiziert, eine neurologische Erkrankung, die oft zu Isolation und Problemen im Umgang mit anderen Menschen führt, sowie die Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung ADHS. Zudem habe ein Anrufer bei der Hotline für Kindesmissbrauch erzählt, dass der Jugendliche den Plan geäußert habe, sich eine Waffe zu kaufen.

Die Kinderfürsorge ermittelte demnach in erster Linie, ob die Adoptivmutter ihre Fürsorgepflicht vernachlässigt hatte. Das war laut der Untersuchung nicht der Fall. Der 19-Jährige selbst wurde als stabil genug eingestuft, um nicht in ein Krankenhaus verlegt zu werden, hieß es in einem Bericht des Familienministeriums.

Mehr als 20 Anrufe bei der Polizei

Bezirkssheriff Scott Israel teilte mir, dass auch die Polizei in den vergangenen Jahren mehr als 20 Anrufe mit Hinweisen zu dem späteren Attentäter erhalten habe. Im vergangenen Jahr postete Nikolas C. ein YouTube-Video, in dem er ankündigte, ein "professioneller Schultodesschütze" zu werden. Das FBI ging dem Hinweis nicht weiter nach, weil es den Urheber nicht ermitteln konnte. Gänzlich ignoriert wurde ein Tipp eines Bekannten vom 5. Januar, der konkret vor einem Attentat warnte.

Auch wurde bei dem Attentäter Autismus diagnostiziert, eine neurologische Erkrankung, die oft zu Isolation und Problemen im Umgang mit anderen Menschen führt, sowie die Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung ADHS.

"Schande über euch"

Nach den ersten Begräbnissen am Freitag wurden am Samstag weitere Opfer des Massakers begraben. In Fort Lauderdale sind Tausende Menschen für schärfere Waffengesetze auf die Straße gegangen. Zu der Demonstration etwa 40 Kilometer von Parkland entfernt waren auch Dutzende Schüler der betroffenen Highschool gekommen.

Eine Demonstrantin, Emma Gonzalez, kritisierte, dass sich Politiker in den USA mit dem Geld der Waffenlobby den Wahlkampf finanzieren lassen. Das Argument der Waffenbefürworter, dass ein guter Mensch mit einer Waffe böse Menschen mit einer Waffe aufhalten könne und Waffen deshalb nötig seien, sei Blödsinn.

Die Menge rief dazu auf, Politikerinnen und Politiker, die nicht für eine bessere Waffenkontrolle eintreten, aus dem Amt zu wählen. Auch wurde gefordert, dass die Waffenorganisation NRA keine Zahlungen mehr an Politiker tätigen dürfe. "Schande über euch!" rief eine Schülerin bei der Kundgebung. "Genug ist genug!"

Waffenverlosung bei Wahlkampfveranstaltung

Trotz der Proteste will der Parlamentskandidat Aaron Penman auf seiner Wahlkampfveranstaltung im US-Staat Maryland am Samstag ein AR-15-Sturmgewehr verlosen. Ein solches hatte der 19-Jährige bei dem Amoklauf benutzt.

Alle Gewinner der Waffenverlosung würden überprüft, schrieb der Republikaner auf seiner Facebook-Seite. Er werde seine Wahlkampfveranstaltung nicht absagen; immerhin erlaube ein Zusatzartikel der US-Verfassung den Besitz und das Tragen von Waffen. Penman sprach den Opfern von Parkland jedoch seine tiefe Trauer aus.