Aufstände zwischen religiösen Gruppen, die seit dem Rückzug der US-Truppen 2011 noch immer andauern, und die Zerstörung durch die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) in den vergangenen drei Jahren haben dem Irak großen Schaden zugefügt: Große Teile des Landes sind zerstört worden. Für den Wiederaufbau werden 88,2 Milliarden Dollar (knapp 72 Milliarden Euro) benötigt, sagte Planungsminister Salman al-Dschumaili zum Auftakt einer Geberkonferenz in Kuwait-Stadt. Die Einschätzung beruhe auf einer Studie irakischer und internationaler Experten.

Als Soforthilfe sei das Land auf 22 Milliarden Dollar angewiesen, sagte ein ranghoher Mitarbeiter des Planungsministeriums. Am wichtigsten ist der Wohnungsbau: Rund 70.000 Häuser sind völlig zerstört, insgesamt seien knapp 140.000 Wohngebäude beschädigt worden, teilte die Regierung mit.

Die irakische Regierung hatte im Dezember den Sieg über den IS verkündet, der seit 2014 zeitweise ein Drittel des irakischen Staatsgebiets unter seiner Kontrolle hatte – darunter Städte wie Mossul, Tikrit, Ramadi und Falludscha. Durch die jahrelangen Kämpfe gegen die IS-Miliz wurden die Industrie und die Infrastruktur des Landes stark beschädigt.

Unternehmen sollen investieren

Am ersten Tag der Konferenz in Kuwait geht es um die Tätigkeit internationaler Organisationen. Der zweite Tag ist der Rolle des Privatsektors beim Wiederaufbau des Iraks gewidmet. Mehr als 2.000 Unternehmen und Geschäftsleute werden erwartet. Am dritten Tag wird dann mit den Finanzzusagen der Geberländer gerechnet.

Die Weltbank-Tochter IFC hatte internationale Unternehmen bereits am Sonntag aufgefordert, im Irak zu investieren und auf Geschäftsmöglichkeiten hingewiesen. Die irakische Regierung hat 157 Projekte aufgeschlüsselt, für die sie Investoren sucht. Ziel ist es, etwa mit dem Ausbau der Infrastruktur und der Landwirtschaft vom Ölexport unabhängiger zu werden.