Knapp drei Jahre nach dem Absturz einer Germanwings-Maschine in den Alpen mit insgesamt 150 Todesopfern haben Angehörige erneut schwere Vorwürfe gegen den Germanwings-Mutterkonzern Lufthansa erhoben. In einem an Lufthansa-Chef Carsten Spohr persönlich gerichteten Brief werfen sie dem Konzern eine "Strategie des Mürbemachens und der Drohungen" vor und beklagen aus ihrer Sicht zu geringe Entschädigungen.

Der Umgang mit den Hinterbliebenen des Absturzes sei "Erpressung", heißt es in dem Schreiben, über das sowohl der Stern als auch die Westdeutsche Allgemeine Zeitung berichtet hatten. So müssten Opfer und Angehörige etwa für eine weitere Kostenübernahme von psychotherapeutischen Behandlungen eine Erklärung unterzeichnen, auf Prozesse und weitere Ansprüche gegen die Lufthansa zu verzichten – Vorwürfe, die der Hinterbliebenen-Anwalt Elmar Giemulla bereits Ende 2017 erhoben hatte.

Ein weiterer Kritikpunkt in dem jetzigen Brief der Angehörigen ist die Höhe der Entschädigungen – pauschal 25.000 Euro pro Opfer und jeweils 10.000 Euro für nahe Angehörige wegen der erlittenen Schmerzen. Dies reiche vielfach nicht aus, um den Verdienstausfall abzudecken, heißt es laut Stern und WAZ in dem Schreiben. Die "starre Haltung" der Lufthansa sei "demütigend". Nicht einmal die Grabpflege werde damit abgedeckt.

Diese Vorwürfe wies ein Lufthansa-Sprecher zurück: Die Fluglinie habe neben den Schmerzensgeldzahlungen von pauschal 25.000 und 10.000 Euro an nächste Angehörige als unbürokratische Vorschussleistung nach dem Absturz auch 50.000 Euro pro Todesopfer aufgebracht und übernehme zudem optional weitere Behandlungskosten. "Pro Opfer beliefen sich die Zahlungen auch in Deutschland in den meisten Fällen auf über 100.000 Euro", sagte der Sprecher, der den Eingang des Briefs grundsätzlich bestätigte. Die Lufthansa sei im Dialog mit den Hinterbliebenen, fügte er hinzu.

Am 24. März 2015 hatte der Co-Pilot Andreas Lubitz den Germanwings-Flug 4U9525 über den französischen Alpen abstürzen lassen. Später stellte sich heraus, dass er vor dem Unglück bereits länger in psychiatrischer Behandlung war. Mit einer Sondergenehmigung der Lufthansa, die ihn für tauglich erklärte, durfte er fliegen. Die Hinterbliebenen werfen dem Konzern deshalb auch "organisatorische Versäumnisse in ihrem medizinischen Überwachungssystem" vor. Diese hätten es ermöglicht, dass ein ihrer Ansicht nach psychisch Kranker als Pilot arbeiten konnte.