Die deutschen Behörden haben erstmals ein Kind von Anhängern des "Islamischen Staates" (IS) aus dem Irak nach Deutschland geholt. Wie der Rechercheverbund des NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung berichtet, handelt es sich bei dem Kind um einen 14 Monate alten Jungen, der 2015 auf dem Territorium des "Islamischen Staates" geboren wurde und eine Geburtsurkunde des IS besitzt. Seine Eltern stammen aus Hessen und sitzen im irakischen Erbil in Untersuchungshaft. Gegen die beiden wird in Deutschland und im Irak wegen Terrorismus-Verdachts ermittelt.

Unter Vermittlung des Auswärtigen Amtes war der Großvater des Jungen in den Irak gereist. Dort bekam er das Kind mit Zustimmung der irakischen Justiz übergeben und durfte es mit nach Deutschland nehmen. Zuvor war ein DNA-Test erstellt worden, um die Verwandtschaft nachzuweisen. 

"Was die Eltern gemacht haben, da können die Kinder ja nichts dafür", sagte der Mann den Reportern von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung. Nun müsse sich der Junge an ihn als neue Bezugsperson gewöhnen. Die beiden hätten sich schließlich zuvor noch nie gesehen.

Mindestens 15 Kinder im Irak

Die Bundesregierung bemüht sich seit Wochen um die Freilassung und Überführung der Kinder deutscher IS-Anhängerinnen. Allein im Irak geht es um mindestens 15 Kinder. Die meisten von ihnen sind Babys und Kleinkinder. Die irakischen Behörden unterstützen das Ziel, die Minderjährigen nach Deutschland zu bringen.

Die Bundesregierung begründet ihre Entscheidung, sich in Haft befindende Kinder mutmaßlicher IS-Anhänger nach Deutschland zu holen, mit humanitären Erwägungen und der Schutzpflicht für die eigenen Staatsbürger. Vor allem seien Kinder nicht für die Taten der Eltern verantwortlich. Auch die Vereinten Nationen hatten zuletzt gemahnt, die Kinder von Anhängern der Terrormiliz dürften nicht in Vergessenheit geraten oder gar staatenlos werden.

Laut einem Bericht der Welt von Anfang Januar hat die Bundesregierung derzeit Informationen, "die eine niedrige dreistellige Anzahl von Minderjährigen erwarten lassen". Der Großteil der Kinder sei im Baby- beziehungsweise Kleinkindalter.