Der ehemalige Bischof des Bistums Dresden-Meißen, Joachim Reinelt, hat sich dafür ausgesprochen, auch verheirateten Männern die Priesterweihe zu erlauben. In einem Interview mit der katholischen Wochenzeitung Tag des Herrn sagte Reinelt: "Ich verstehe nicht, dass man nicht den Mut hat zu sagen, die Zeit ist reif, viri probati die Priesterweihe zu spenden".

Als viri probati – was aus dem Lateinischen übersetzt "bewährte Männer" bedeutet – werden in der römisch-katholischen Kirche verheiratete Männer bezeichnet, die die Weihe zum Diakon empfangen und Aufgaben in Seelsorge, Gottesdienst und Sakramentenspendung übernehmen können. Das Priesteramt ist bislang aber nur unverheirateten Männern vorbehalten.

Reinelt, der von 1988 bis 2012 das Amt des Dresdner Bischofs innehatte, erklärte, dass das Problem des zunehmenden Priestermangels neue Lösungen erfordere: Die entstehenden Lücken könnten "auch die allerbesten Laien" nicht ohne Weiteres füllen.

Auch der CDU-Politiker Thomas Sternberg, der seit 2015 als Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken tätig ist, hatte bereits in der Frage der Priesterweihe für verheiratete Männer Position bezogen: "Wenn heute ein Bischof in Deutschland den Mut hätte, ein paar Männer, vielleicht Diakone, zu Priestern zu weihen, würde er aus Rom keinen Protest erfahren."

1971 hatte die Römische Bischofssynode in einem Votum gegen die Öffnung des Priesteramtes gestimmt. Nach dem Kirchenrecht könnte aber der Papst anders entscheiden und das Priesteramt auch für Verheiratete öffnen. Papst Franziskus hatte in der Vergangenheit bereits anklingen lassen, dass er die Öffnung der Priesterweihe für Diakone nicht grundsätzlich ablehne, den freiwilligen Zölibat aber für keine Lösung halte. Bei der kommenden Bischofssynode im Herbst dieses Jahres soll auch über dieses Thema diskutiert werden.