Beim Kentern eines Flüchtlingsbootes vor der Küste Libyens sind vermutlich etwa 90 Menschen ertrunken. Wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) unter Berufung auf Überlebende mitteilte, hatten sich überwiegend Pakistaner an Bord befunden. Bislang seien zehn Leichen in der Nähe der libyschen Hafenstadt Suwara angespült worden, sagte IOM-Sprecherin Olivia Headon. Dabei handele es sich mutmaßlich um acht Pakistaner und zwei Libyer.

Drei Menschen haben laut IOM überlebt: Zwei hätten an Land schwimmen können, einer sei von Fischern gerettet worden. Von ihnen stammten die Angaben über die Zahl der Menschen an Bord, die überwiegend aus Pakistan stammen sollen. Demnach soll das Boot sehr voll gewesen sein. Es könne sein, dass es aus dem Gleichgewicht geraten sei.

Ein Such- und Rettungseinsatz sei vor der Hafenstadt Zuwara im Nordwesten Libyens im Gange, sagte Headon. Nach ihren Angaben gab es in der Region keinen Sturm.

Kooperation zwischen Italien und Libyen

Rettungskräfte hatten schon am vergangenen Wochenende von dramatischen Rettungseinsätzen berichtet. Bei einem Bootsunglück kamen nach Aussagen von Überlebenden bis zu 40 Menschen ums Leben. Geborgen wurden aber lediglich zwei Leichen.

Bereits Anfang Januar waren mehrmals Flüchtlinge vor der libyschen Küste ertrunken. Die Route über das Mittelmeer nach Europa gilt als sehr gefährlich. Allein im Jahr 2017 starben nach IOM-Angaben mehr als 3.000 Menschen beim Versuch, das Mittelmeer zu überqueren und nach Europa einzureisen.

Um Menschen von der Überfahrt abzubringen, hatte das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) im Dezember erstmals 162 Personen aus einem Flüchtlingslager in Libyen nach Italien ausgeflogen. Über einen sogenannten humanitären Korridor wurden die Flüchtlinge mit einem Flugzeug nach Italien gebracht. Zuvor hatten Libyen und Italien beschlossen, eine gemeinsame Kommission zum Kampf gegen Schleuser und illegale Migration zu gründen. Italien sagte dem nordafrikanischen Land 35 Millionen Euro für eine wirkungsvollere Überwachung der Grenzen zu.