Vor der US-Botschaft in Podgorica, der Hauptstadt von Montenegro, hat sich ein Mann mit einer Handgranate in die Luft gesprengt. Zuvor habe er einen Sprengsatz auf das Botschaftsgelände geworfen, teilte die Regierung per Twitter mit. Dabei habe es sich "sehr wahrscheinlich" ebenfalls um eine Handgranate gehandelt. Die Polizei habe Ermittlungen eingeleitet, die Identität des Mannes sei noch unklar. Eine mögliche Spur gebe es noch nicht.

Außer dem mutmaßlichen Angreifer sei niemand getötet oder verletzt worden. Zudem seien keine Schäden entstanden, teilte die Regierung mit. Die US-Botschaft empfahl ohne weitere Einzelheiten, die Nähe zu dem attackierten Gebäude zu meiden.

Zwischen den Fronten

Der kleine Adriastaat steht seit Langem zwischen den politischen Fronten. Im letzten Sommer wurde das Land in die Nato aufgenommen, obwohl es traditionell sehr enge Beziehungen zu Russland hat. Im Umfeld dieses Beitritts hatte US-Vizepräsident Mike Pence das Land mit nur 620.000 Einwohnern besucht und alle Staaten der Region gedrängt, ihre Beziehungen zu Russland zu lösen, um sich dem Westen zuzuwenden. Zudem ist Montenegro einer der aussichtsreichsten EU-Beitrittskandidaten. Die EU-Kommission hatte zuletzt 2025 als mögliches Beitrittsdatum genannt.

Bei der vergangenen Parlamentswahl im Oktober 2016 hatte es einen gescheiterten Putschversuch gegeben. In dem laufenden Gerichtsverfahren behauptet die Staatsanwaltschaft, Russland und der Nachbar Serbien als sein ebenfalls enger Verbündeter seien darin verwickelt gewesen. Die russische Regierung bestreitet jede Beteiligung als absurd und beschuldigt die montenegrinische Regierung, den Fall konstruiert zu haben, um das Land weiter von Russland zu entfernen.

Montenegro war als letzter Teil des auseinandergebrochenen Vielvölkerstaates Jugoslawien 2006 selbstständig geworden. Zunächst hatten russische Oligarchen große Teile der Wirtschaft übernommen und massiv Grundstücke an der Adriaküste aufgekauft. Russische Urlauber bildeten das Rückgrat der heimischen Tourismusindustrie.