In Nigeria hat ein Gericht 475 mutmaßliche Anhänger der radikalislamischen Boko Haram freigelassen. Die Staatsanwaltschaft habe sie mangels Beweisen nicht anklagen können, teilte das Justizministerium mit. Einige der Betroffenen, deren Fall vergangene Woche in einem Gefangenenlager im Zentrum des Landes behandelt wurde, waren seit 2010 ohne Gerichtsverfahren in Haft.

Zugleich gingen die Ermittlungen und Prozesse wegen des Aufstandes der Boko Haram weiter. Der erste Täter, der vergangene Woche wegen der Verschleppung von rund 270 Schülerinnen im Jahr 2014 in Chibok zu 15 Jahren Haft verurteilt worden war, erhielt eine zusätzliche Strafe von 15 Jahren.

Die Terrorgruppe Boko Haram hatte 2009 ihren Aufstand begonnen und mit großer Gewalt versucht, im Nordosten Nigerias einen streng islamischen Staat zu errichten. Mehr als 20.000 Menschen wurden getötet. Zwei Millionen flohen aus ihrer Heimat. Nigerias Armee und Regierung erklärten den Aufstand wiederholt für niedergeschlagen. Dennoch verüben die Islamisten immer wieder Anschläge, unter anderem auf Märkte und Moscheen.

Im Oktober wurden nach Angaben des Justizministeriums 45 Personen wegen Verbindung zur Boko Haram verurteilt und ins Gefängnis gebracht. Weitere knapp 470 Verdächtige wurden auf freien Fuß gesetzt.

Anfang Januar ergaben sich laut Berichten des nigerianischen Militärs Hunderte Boko-Haram-Kämpfer im nordöstlichen Bundesstaat Borno. Dies geschah nach einer Militäroffensive, bei der die nigerianischen Streikräfte Stellungen der Kämpfer rund um den Tschadsee heftig bombardiert hatten.

Nigeria ist der größte Erdölexporteur Afrikas und mit 170 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Land des Kontinents.