Die syrische Regierung fliegt weiter Angriffe auf das von Rebellen kontrollierte Ostghuta. Seit Freitagabend seien mindestens 140 Raketen auf den Vorort von Damaskus abgefeuert worden. Dabei seien mindestens fünf Menschen getötet sowie mehr als zwölf verletzt worden, berichtet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Damit steige die Anzahl der Toten der vergangenen sieben Tage auf 492, unter ihnen 116 Kinder. Die Beobachtungsstelle ist eine oppositionsnahe Organisation, deren Aussagen nicht unabhängig überprüft werden können.

Die Aktivistengruppe Ghuta Media Center spricht von neun Toten in mehreren Städten seit Samstag. Syrischen Staatsmedien berichten, Rebellen hätten Mörsergranaten auf Damaskus abgefeuert und Sachschäden verursacht.

Streit um UN-Resolution

Am Samstag will der UN-Sicherheitsrat nach tagelangem Streit eine 30-tägige Waffenruhe in Syrien verabschieden. Die Abstimmung über eine entsprechende Resolution war zuvor mehrfach verschoben worden. "Ich bin extrem frustriert", sagte der schwedische UN-Botschafter Olof Skoog am Freitag nach rund sechsstündigen Beratungen. "Wir sind nicht in der Lage gewesen, eine Resolution zu verabschieden, um das Leid des syrischen Volkes zu mildern."

Russland hatte gegen den Resolutionsentwurf ein Veto angedroht. Die Vorlage war daraufhin abgeschwächt worden, weil Russland sie am Donnerstag abgelehnt und zahlreiche Änderungen gefordert hatte. In der aktualisierten Fassung heißt es nun etwa, dass der Sicherheitsrat einen Waffenstillstand "fordert" – zuvor war davon die Rede, dass der Sicherheitsrat "entscheidet", dass es einen Waffenstillstand geben müsse.

Kuwait und Schweden, die die Resolution ausgearbeitet hatten, kamen den Russen offenbar entgegen und änderten den Text so, dass darin nun nicht mehr verlangt wird, dass eine Waffenruhe 72 Stunden nach der Annahme der Resolution in Kraft treten müsse. Stattdessen fordert der neue Text, der am Freitagabend im Umlauf war, "dass alle Parteien Feindseligkeiten ohne Verzögerung einstellen".

400.000 Zivilisten seit Monaten eingeschlossen

Die Feuerpause soll Helfern Zugang zu belagerten Gebieten verschaffen und ihnen ermöglichen, Opfer in Sicherheit zu bringen.

In Syrien konzentrieren sich die Kämpfe derzeit auf die Kurdenregion Afrin und das von Rebellen kontrollierte Ostghuta bei Damaskus. Ostghuta wird seit Tagen von der syrischen Regierung bombardiert, Oppositionsaktivisten werfen auch Russland vor, Lufteinsätze zu fliegen. Rund 400.000 Menschen sind in der Stadt eingeschlossen und von humanitärer Hilfe abgeschnitten. UN-Generalsekretär António Guterres nannte Ostghuta die "Hölle auf Erden".