Der slowakische Journalist Ján Kuciak hat vor seiner Ermordung über die italienische Mafia recherchiert. Er wollte ein Netzwerk von Verbindungen der kalabrischen 'Ndrangheta bis in höchste slowakische Regierungsstellen offenlegen. Mehrere slowakische Medien veröffentlichten nun den unvollständig gebliebenen Text in Zusammenarbeit mit dem Internetportal Aktuality.sk, für das Kuciak gearbeitet hatte.

Die 'Ndrangheta soll sich im Osten der Slowakei den Recherchen zufolge auf Steuerbetrug mit gefälschten Rechnungen spezialisiert haben. Auch EU-Förderungen seien Ziel des Betrugs gewesen.

Nach Kuciaks Recherchen ist es der Mafia gelungen, Verbindungsleute in das Büro des sozialdemokratischen Regierungschefs Robert Fico einzuschleusen. Sollten die Recherchen stimmen, hätte die Mafia so Zugang zu geheimen Staatsinformationen bekommen können und wären über geplante Sicherheitsmaßnahmen informiert gewesen.  

Beraterin von Regierungschef Fico wird verdächtigt

Wie die Tageszeitung Sme berichtet, wird auch die Hauptberaterin von Fico, Mária Trošková, verdächtigt. Sie hatte vorher für italienische Unternehmer gearbeitet, die von der Justiz in Italien verdächtigt werden, Verbindungen zur Mafia zu haben.

Ministerpräsident Fico verteidigte Trošková. Unschuldige Menschen würden mit einem Doppelmord in Verbindung gebracht werden, zitiert Sme den Ministerpräsidenten.

Der britische Journalist Tom Nicholson sagte, Kuciak habe betrügerische Zahlungen von EU-Geldern an in der Slowakei wohnhafte Italiener mit Verbindungen zur kalabrischen Mafia untersucht. "Ján und ich arbeiteten mit Geheimdienstdokumenten", schrieb Nicholson bei Politico. Der slowakische Geheimdienst kenne bereits "die Namen der Gangster".

Der 27-jährige Journalist Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnirova waren am Sonntag in ihrem Haus in der Nähe von Bratislava erschossen worden. Berichten zufolge waren neben den Leichen scharfe Schusspatronen zurückgelassen worden. Dies wird als Warnsignal an mögliche weitere Opfer gedeutet. Die slowakische Polizei hatte angekündigt, eng mit den italienischen Behörden zusammenarbeiten zu wollen. 

Kuciak hatte immer wieder über Fälle von mutmaßlichem Steuerbetrug berichtet. Dabei schrieb er vor allem über prominente Unternehmer, die laut seinen Recherchen Geschäftsverbindungen zur organisierten Kriminalität sowie zu den regierenden Sozialdemokraten haben. Der Unternehmer Marián Kočner hatte Kuciak öffentlich wegen dessen Artikeln gedroht.