Die türkische Armee soll in der nordsyrischen Enklave Afrin Giftgas eingesetzt haben. Dies berichten kurdische und syrische Medien unter Berufung auf kurdische Ärzte in der Region. Demnach wurden sechs Zivilisten mit Atembeschwerden in ein Krankenhaus eingeliefert. Der Angriff soll Dorf Aranda getroffen haben.

Die Patienten haben sich übergeben und wiesen Hautausschlag und niedrigen Blutdruck als weitere Symptome auf, hieß es unter anderem bei Kurdistan 24. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete, die Türkei habe mehrere Granaten mit giftigen Substanzen auf ein Dorf in der Region gefeuert, wodurch sechs Zivilisten Erstickungssymptome bekommen hätten. Auch die in London beheimatete syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte zitierte die Mediziner in ihrem Bericht.

Von unabhängiger Seite sind diese Berichte bislang nicht zu überprüfen. Auf Videos, die vom betroffenen Krankenhaus veröffentlicht wurden, sieht man Menschen an Sauerstoffmasken. Diese zeigen aber sonst keine der typischen Anzeichen für eine Vergiftung durch Giftgas, wie etwa Zucken, Erbrechen oder Schaum vor dem Mund.

Das türkische Militär wiederholte seine Versicherung, in Afrin keine chemischen oder andere verbotene Waffen einzusetzen. Zudem würden sich die Soldaten bemühen, keine Zivilisten in Mitleidenschaft zu ziehen.

Mit ihrem Feldzug in Afrin veruscht die Türkei seit rund vier Wochen, die Kurdenmiliz YPG aus der Region zu vertreiben. Sie betrachtet diese als Terroristen und Ableger kurdischer Rebellen in der Türkei. Für die USA ist die YPG dagegen einer der wirkungsvollsten Verbündeten im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Diese Zusammenarbeit kritisierte der türkische Ministerpräsident Bınalı Yıldırım und warf dem Nato-Partner die Kooperation mit Terroristen vor.  "Wir schützen die Nato-Grenzen, nämlich die Südgrenze der Türkei", sagte er auf der Sicherheitskonferenz in München. "Was die anderen Nato-Mitgliedstaaten tun, ist, dass sie mit einer terroristischen Organisation zusammenarbeiten, die für uns eine Bedrohung an unserer Grenze darstellt." Die Nato-Partner seien sich doch einig, dass der IS als terroristische Organisation bekämpft und ausgeschaltet werden müsse. "Aber wenn wir das tun, sollten wir nicht gleichzeitig eine neue terroristische Organisation schaffen."

Zudem bekräftigte Yıldırım die Drohung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, US-Soldaten in diesem Konflikt eine "osmanische Ohrfeige" zu verpassen. "Es ist egal, ob es in Syrien oder im Irak ist: Wenn es dort terroristische Aktionen gibt gegen unser Land, dann ist es doch klar, dass wir hier die stärkst mögliche Ohrfeige geben würden." Wenn sich ein anderes Land kriegerisch gegen die Türkei wende, werde sie "natürlich" zurückschlagen.