In der iranischen Hauptstadt Teheran sind 29 Frauen verhaftet worden, weil sie in der Öffentlichkeit ihr Kopftuch abgenommen hatten, um gegen die Verschleierungspflicht zu protestieren. Das berichten die Nachrichtenagenturen Fars, Ilna und Tasnim übereinstimmend. Demnach warf die Polizei den Frauen vor, gegen die "gesellschaftliche Ordnung" verstoßen zu haben.

Seit der Revolution 1979 sind Frauen im Iran verpflichtet, in der Öffentlichkeit ein Kopftuch zu tragen. In den vergangenen Tagen wurden in den sozialen Netzwerken zahlreiche Fotos von Frauen verbreitet, die ihr Kopftuch auf offener Straße abgenommen und wie eine Fahne an einem Stab in die Luft gehalten hatten.

Kaution in Höhe von 90.000 Euro

Die Frauen ahmten damit die Protestaktion der jungen Iranerin nach, die während der landesweiten Proteste Ende Dezember an einer Hauptstraße in Teheran auf einen Verteilerkasten geklettert war und ihr Kopftuch in der Luft geschwenkt hatte. Die junge Frau wurde festgenommen und nach Angaben der Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh erst nach einem Monat in Gewahrsam wieder freigelassen.

Eine weitere Iranerin, die Anfang der Woche wegen einer ähnlichen Protestaktion festgenommen wurde, sitzt nach Angaben der Anwältin noch in Haft. Für ihre Freilassung müsste sie demnach eine Kaution von umgerechnet fast 90.000 Euro hinterlegen. Die hohe Summe verdeutliche die Absicht der Behörden, die junge Frau weiter festzuhalten, sagte Sotudeh.

Seit einigen Jahren handhaben viele Frauen im Iran die strengen Kleidervorschriften lockerer. In Teheran und den größeren Provinzstädten tragen viele Frauen inzwischen farbenfrohe Kopftücher, unter denen oft der Haaransatz zu erkennen ist.

Generalstaatsanwalt nennt Protestaktion "kindisch"

Generalstaatsanwalt Mohammed Dschafar Montaseri hatte die Protestaktionen gegen die Kopftuchpflicht am Mittwoch als "kindisch" und "belanglos" bezeichnet. Grund zur Besorgnis gebe es nicht, teilte Montaseri mit. Die vereinzelten Demonstrantinnen hätten aus Unwissenheit gehandelt und seien möglicherweise vom Ausland beeinflusst.

Doch zugleich hatte die iranische Staatsanwaltschaft vor wenigen Tagen angekündigt, mit Härte gegen die wachsende Zahl der "Anti-Kopftuch-Demonstrantinnen" vorzugehen. "Das Kopftuch in der Öffentlichkeit abzunehmen, ist gegen das Gesetz und die islamische Pflicht und daher eine eindeutige Straftat", teilte Staatsanwalt Abbas Dschafar Dolatabadi mit. Die Justiz werde ihre Pflicht konsequent erfüllen.