Religiöses Mobbing gepaart mit einem antisemitischen Vorfall an der Paul-Simmel-Grundschule in Berlin-Tempelhof haben das Problem wieder in die Öffentlichkeit gebracht. Dort ist eine Schülerin im Laufe von zwei Jahren durch muslimische Mitschüler verbal angegriffen worden, indem ihr sinngemäß gesagt wurde, dass "Nichtgläubigen der Tod gehört". Dass sie väterlicherseits jüdisch ist, war da noch nicht bekannt.

Mitte März sei sie zudem gefragt worden, ob sie Jüdin sei. Als sie bejahte, habe ein weiterer Mitschüler mehrmals gerufen, "das Mädchen ist Jude", heißt es in einer Mail, die der Rektor am Montag an Elternvertreter schrieb. Zudem soll in einer WhatsApp-Gruppe von Schülern der Schule ein Enthauptungsvideo der Terrormiliz "Islamischer Staat" kursiert haben. Die Schulaufsicht wurde eingeschaltet, auch die Polizei.

Wie groß ist das Problem des Antisemitismus an Berliner Schulen?

Seit Jahren mehren sich antisemitische Vorfälle an Schulen, insbesondere von muslimischer Seite. Es gibt keine verlässlichen Zahlen, aber zunehmend Berichte von Lehrern, wonach die Beschimpfung "Jude" zur gängigen Pausenhofbeschimpfung geworden ist – nicht nur gegen Juden. Antisemitismus sei an Berliner Schulen ein Problem, warnt Saraya Gomis, Antidiskriminierungsbeauftragte für die Berliner Schulen. 2017 wurden zwölf antisemitische Vorfälle gemeldet. Doch das sei nur die Spitze des Eisbergs.

Die Schulverwaltung reagiert mit einer großen Zahl von Projekten und Broschüren. Meist werden die Fälle nicht bekannt, weil die Betroffenen es nicht wollen. Anders verhielt es sich vor einem Jahr an der Friedenauer Gemeinschaftsschule, wo ein 14 Jahre alter jüdischer Junge antisemitisch beleidigt worden war: Die Familie ging an die Öffentlichkeit. Ein Mitschüler hatte ihn beleidigt, nachdem dieser erfahren hatte, dass der Junge jüdisch ist. Danach wurde er von zwei anderen Mitschülern an einer Bushaltestelle angegriffen. Der Junge wechselte die Schule. Ein weiterer Fall ereignete sich in Wedding an der Ernst-Reuter-Sekundarschule. Dort wurde ein jüdischer Schüler mehrfach angefeindet.

Wie verbreitet ist antisemitisches Mobbing in deutschen Schulen?

Auch wenn keine Zahlen zu antisemitischem Mobbing an Schulen bekannt sind, registriert der Zentralrat der Juden eine bedrohliche Lage. Immer häufiger würden antisemitische Vorfälle bekannt, die von muslimischen Schülern ausgehen, sagt der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster. "Wenn jüdische Schüler nicht in die Schule gehen können, ohne antisemitische Anfeindungen oder Angriffe fürchten zu müssen, läuft etwas falsch in diesem Land." Und es sei eine Schande, dass der Ausdruck "Du Jude" auf vielen deutschen Schulhöfen als Schimpfwort gelte. Schuster erwähnt allerdings auch rechtsextremen Judenhass. Besorgniserregend seien Vorfälle wie an einer Schule in Dresden, wo Schüler den Hitlergruß zeigten und antisemitische Witze erzählten.

Schuster fordert "eine höhere Sensibilität gegenüber Antisemitismus in Schulen". Bei judenfeindlichen Tendenzen müsse schnell eingeschritten werden. Die Lehrer müssten besser geschult werden, "damit sie dem Antisemitismus Paroli bieten können". Und Lehrer wie Schüler müssten "Haltung zeigen und sich Judenhass deutlich entgegenstellen". Für Schuster zeigt die steigende Anzahl bekannt gewordener Vorfälle, "dass ein niederschwelliges Angebot zur Erfassung antisemitischer Vorfälle in der gesamten Bundesrepublik wichtig ist".

Warum sind viele Muslime offenbar antisemitisch eingestellt?

In der islamischen Welt, einst halbwegs tolerant gegenüber Juden, ist der antisemitische Hass heute weit verbreitet. Die Gründung des Staates Israel 1948 gilt vor allem in den arabischen Ländern als schwere Niederlage. Schon vorher hatten sich Muslime angesichts der wachsenden Einwanderung von Juden in Palästina antisemitisch radikalisiert. Der Großmufti von Jerusalem, Mohammed Amin al Husseini, befeuerte den Judenhass und kooperierte im Zweiten Weltkrieg mit Hitler.