Der frühere SS-Mann Oskar Göning ist gestorben. Das berichten das Nachrichtenmagazin Spiegel und die Hannoversche Allgemeine Zeitung übereinstimmend. Gröning ist laut dem Spiegel bereits am Freitag im Alter von 96 Jahren gestorben.

Gröning sollte demnächst eine vierjährige Haftstrafe antreten. Er war im sogenannten Auschwitz-Prozess 2015 in Lüneburg wegen Beihilfe zum Mord in 300.000 Fällen verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof bestätigte das Urteil im September 2016.

Gröning hatte während des Prozesses zugegeben, im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz Geld aus dem Gepäck der Verschleppten gezählt und weitergeleitet zu haben. Er räumte außerdem ein, gleich bei seiner Ankunft 1942 erfahren zu haben, dass Juden vergast werden. "Für mich steht außer Frage, dass ich mich moralisch mitschuldig gemacht habe", hatte Gröning damals gesagt. "Ich bitte um Vergebung. Über die Frage der strafrechtlichen Schuld müssen Sie entscheiden." 

Trotzdem hatte Gröning versucht, rechtlich gegen das Urteil anzugehen. Er wollte sich aus gesundheitlichen Gründen als nicht haftfähig einstufen lassen. Im Dezember 2017 hatte das Bundesverfassungsgericht hatte seine Klage als letzte mögliche Instanz abgewiesen. Das Gericht hatte seine Entscheidung damit begründet, dass schwere Gesundheitsgefahren durch die Haft nicht erkennbar seien. Die medizinischen Vorkehrungen im Gefängnis seien ausreichend. Wegen der Schwere von Grönings Taten habe die Durchsetzung der Strafe ein besonderes Gewicht. 

Gröning hatte daraufhin einen Gnadengesuch beantragt, war aber auch damit gescheitert. Die zuständige Staatsanwaltschaft Lüneburg hatte daraufhin im Januar mitgeteilt, Gröning solle seine Haftstrafe so schnell wie möglich antreten.