Ein Berliner Arzt ist in einem Prozess um Sterbehilfe freigesprochen worden. Der Mann habe einer 44 Jahre alten und unheilbar kranken Patientin bei ihrem Suizid geholfen, sich dabei aber nicht strafbar gemacht, entschied das Landgericht Berlin

Der damalige Hausarzt hatte die Patientin im Februar 2013 auf ihren Wunsch hin bei ihrem Suizid unterstützt und ihr ein starkes Schlafmittel verschrieben. Die Frau litt seit ihrer Jugend an einer chronischen, nicht heilbaren und schmerzhaften Reizdarmerkrankung. Sie hatte mehrfach versucht, sich das Leben zu nehmen.

Unumstritten war im Prozess, dass die Frau die tödliche Dosis allein einnahm. Kurz danach hatte sie ihren Arzt darüber per Handynachricht informiert. Er fand die Frau nach eigenen Angaben in einem tiefen Koma vor und sah in den folgenden Stunden mehrfach nach ihr. Sie starb etwa drei Tage nach der Einnahme einer laut Gutachten mehrfach tödlichen Dosis.

Das Gericht urteilte, dem Arzt sei kein "aktives Tun" nach Eintritt der Bewusstlosigkeit der Patientin vorzuwerfen. Auch das Unterlassen von Rettungsmaßnahmen sei nicht strafbar gewesen. "Der Patientenwille ist zu achten", sagte die Vorsitzende Richterin. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe von 18.000 Euro wegen versuchter Tötung auf Verlangen beantragt, die Verteidigung Freispruch.

Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland verboten, Hilfe zur Selbsttötung ist hingegen unter bestimmten Umständen möglich. Zum Beispiel ist es zulässig, ein tödliches Medikament bereitzustellen, das die betroffene Person selbst einnimmt. Auch passive Sterbehilfe wie der Abbruch lebensverlängernder Maßnahmen ist erlaubt. Strafbar ist es in Deutschland jedoch, Sterbehilfe als Dienstleistung anzubieten.