Frauen müssen in Formularen nicht in weiblicher Form angesprochen werden. Das entschied der Bundesgerichtshof und wies damit die Revision einer Sparkassen-Kundin aus dem Saarland zurück, die auch in unpersönlichen Vordrucken als "Kundin" und nicht als "Kunde" angesprochen werden wollte.

Die Klägerin, die 80-jährige Marlies Krämer, hatte die Entscheidung nach eigenen Worten "mit Lampenfieber" von zu Hause aus verfolgt. Sie hatte argumentiert, sie fühle sich von männlichen Formulierungen wie "Kunde" oder "Kontoinhaber" nicht angesprochen. Dem folgten die Richter nicht. Mit der verallgemeinernden Ansprache in männlicher Form werde Krämer nicht wegen ihres Geschlechts benachteiligt, heißt es in der Entscheidung. Die Anrede "Kunde" für Frauen sei weder ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht noch ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz.

Hätte die Klägerin recht bekommen, hätten über 800 verschiedene Sparkassen-Formulare umgeschrieben werden müssen. Ein solches Urteil hätte Folgen für alle Formen der Vertragssprache haben können, sagte die Dortmunder Juraprofessorin und Präsidentin des Deutschen Juristinnenbundes, Maria Wersig.

Krämer hatte vor dem Urteil angekündigt, dass sie im Falle einer Niederlage weiter kämpfen wolle. Sie werde notfalls bis vor den Europäischen Gerichtshof ziehen. "Ich sehe das überhaupt nicht mehr ein, dass ich als Frau totgeschwiegen werde", sagte sie. Krämer hat schon andere Auseinandersetzungen für sich entschieden: So verzichtete sie in den Neunzigerjahren so lange auf einen Pass, bis sie als "Inhaberin" unterschreiben konnte. Später sammelte sie erfolgreich Unterschriften für weibliche Wetterhochs. Davor wurden Frauennamen nur für Tiefs verwendet.

Der Formularstreit ist für sie alles andere als eine Petitesse. Es geht für sie ums Grundsätzliche: "Sprache ist der Schlüssel zur Gleichberechtigung", sagte Krämer.

"Nicht mehr zeitgemäß"

Kritik an dem Urteil kam vom Deutschen Juristinnenbund. "Es ist bedauerlich, dass die Beurteilung der Rechtslage zu keinem anderen Ergebnis geführt hat. Die Gleichheit der Geschlechter muss auch in der Sprache umgesetzt werden, das hat der Gesetzgeber unter anderem in Paragraf 28 des saarländischen Gleichstellungsgesetzes zum Ausdruck gebracht", sagte die Präsidentin des Bundes, Maria Wersig. "Das sogenannte generische Maskulinum ist nicht mehr zeitgemäß."

In den Vorinstanzen war Krämer ebenfalls erfolglos geblieben. Schwierige Texte würden durch die Nennung beider Geschlechter nur noch komplizierter, hatte etwa das Landgericht Saarbrücken argumentiert. Zugleich verwies es darauf, dass die männliche Form schon "seit 2.000 Jahren" im allgemeinen Sprachgebrauch bei Personen beiderlei Geschlechts als Kollektivform verwendet werde.