Die Essener Tafel will den umstrittenen Aufnahmestopp für Ausländer voraussichtlich Ende März wieder aufheben. Nach Angaben der Stadt beschloss ein Runder Tisch, "die derzeitigen vorübergehend eingeführten Beschränkungen schnellstmöglich aufzuheben". Der Vorsitzende des Tafel-Trägervereins, Jörg Sartor, sagte: "Wir gehen davon aus, dass es in zwei, drei Wochen so sein wird, Ende des Monats".

Der Aufnahmestopp sei von vornherein als eine vorübergehende Maßnahme für sechs bis acht Wochen, maximal drei Monaten, geplant gewesen, sagte Sartor weiter. "Die Zahlen haben sich ins Gleichgewicht bewegt. Sie werden zum Ende des Monats ein für uns akzeptables Verhältnis haben, davon gehen wir aus", erklärte Sartor.

Von der Stadt hieß es, sollte es künftig erneut Engpässen geben, sollten besonders Alleinerziehende, Familien mit minderjährigen Kindern sowie Senioren - egal welcher Herkunft - bevorzugt aufgenommen werden. Darüber hinaus wird die Essener Tafel ihre Kernzielgruppe demnach um über 50-jährige Bezieher von Arbeitslosengeld oder Hartz IV erweitern.

Die Essener Tafel nimmt seit dem 10. Januar keine Ausländer mehr auf. 75 Prozent der Kunden verfügten damals nicht über einen deutschen Pass. Die Entscheidung hatte bundesweit für heftige Debatten über Armut und Sozialpolitik gesorgt. Als Reaktion war der Runde Tisch gegründet worden, dem unter anderem Vertreter der Stadt, der Wohlfahrtsverbände und von Migrantenorganisationen angehörten.

Essens Sozialdezernent Peter Renzel berichtete auf Facebook von einer konstruktiven Atmosphäre der zweistündigen Sitzung. "Die jetzige Praxis soll schnell wieder aufgehoben werden. Der Vorstand berichtete, dass das Ziel dieser vorübergehenden Massnahme schon fast erreicht ist. Die jetzige Praxis wird in ca. 2-3 Wochen wieder beendet", schrieb Renzel. Die Diskussion sei sehr sachlich und ergebnisorientiert gewesen. Der Vorstand sei von den Mitgliedern mit nur einer Gegenstimme mit sehr großer Mehrheit wiedergewählt worden.