"Es gibt keinen Unterschied zwischen unserem Blut und ihrem Blut, wir sind alle Menschen", riefen die Demonstranten auf dem zentralen Rabin-Platz immer wieder. Nach israelischen Medienberichten nahmen mehr als 20.000 Menschen an dem Protest im Zentrum der Küstenstadt teil, darunter auch zahlreiche Migranten.

Die israelische Regierung hat angekündigt, bis zu 40.000 Flüchtlinge vor allem aus Eritrea und dem Sudan in afrikanische Drittländer abzuschieben. Bis Ende März wird ihnen die Möglichkeit gegeben, mit einer Summe von 2.800 Euro freiwillig auszureisen. Allen, die ab dem 1. April noch im Land sind, droht Gefängnis. Einige von ihnen halten sich schon seit Jahren ohne Papiere im Land auf. Der Plan gilt zunächst für alleinstehende Männer, die noch keinen Asylantrag gestellt haben oder deren Antrag abgelehnt wurde.

Die Regierung bietet ihnen nach eigenen Angaben die Ausreise in einen Drittstaat als Alternative zum Herkunftsland an. Damit erkennt sie indirekt an, dass einige Migranten nicht in ihre Heimatländer abgeschoben werden können, weil dort ihr Leben in Gefahr ist.

"Wir dachten, dass gerade der Staat Israel uns am besten verstände", sagte ein Flüchtling aus dem Sudan auf der Bühne. "Aber die israelische Regierung will uns hier nicht." Er erzählte, wie er seit dem Alter von zwölf Jahren im Sudan verfolgt worden sei, "weil ich zum falschen Stamm gehörte". Viele seiner Angehörigen, darunter seine Mutter, seien ermordet worden.

Israel betrachtet die vor allem aus Eritrea und dem Sudan stammenden Flüchtlinge als illegale Einwanderer und bezeichnet sie als "Eindringlinge". Asylanträge werden nur in extrem seltenen Fällen gebilligt.

Regierung muss sich bis Montag erklären

Nach Klagen mehrerer Organisationen stoppte das oberste Gericht den Plan und setzte der Regierung eine Frist bis Montag, um das Vorhaben detailliert juristisch zu begründen. Kritiker halten vor allem die geplanten Abkommen mit Drittstaaten für illegal. Welche Staaten als Aufnahmeländer vorgesehen sind, ist noch nicht bekannt. Nichtregierungsorganisationen hatten Ruanda und Uganda genannt, doch die beiden Länder dementierten, entsprechende Vereinbarungen getroffen zu haben.