Demonstranten haben kurzzeitig das deutsche Honorarkonsulat auf der griechischen Insel Kreta besetzt, um gegen die türkische Offensive in Afrin zu protestieren. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es, Unbekannte seien in die Büroräume der deutschen Honorarkonsulin in der Inselhauptstadt Heraklion eingedrungen. Demnach entstand ein erheblicher Sachschaden. Der Vorfall sei der Polizei übergeben worden.

Ein griechischer Polizeisprecher sagte, mehrere Menschen seien in die Büros gelangt, hätten Bilder von den Wänden entfernt und Protestbanner aufgehängt. Dann seien sie gegangen. Ein Foto zeigte demnach ein am Balkon des Konsulatsgebäudes angebrachtes Transparent mit der Parole "Widerstand ist Leben, Solidarität mit Afrin" auf Deutsch und auf Griechisch. In Griechenland gibt es immer wieder prokurdische Demonstrationen.

Die türkische Regierung hatte Ende Januar einen Militäreinsatz gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Nordsyrien gestartet. Ankara sieht die YPG wegen ihrer Verbindungen zu der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) als Terrororganisation an. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte am Dienstag gesagt, er erwarte, dass die türkische Armee bis zum Mittwochabend die Stadt Afrin in der gleichnamigen syrischen Region vollständig eingenommen habe.

In dieser Woche war bekannt geworden, dass die Bundesregierung auch nach dem Einmarsch türkischer Truppen in Syrien Rüstungslieferungen in Millionenhöhe an den Nato-Partner Türkei genehmigt hatte. Das ging laut dpa aus einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Omid Nouripour hervor. Demnach wurden in den ersten fünfeinhalb Wochen der türkischen Operation Olivenzweig gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien 20 Exportgenehmigungen für deutsche Rüstungsgüter im Wert von 4,4 Millionen Euro erteilt.

Es handle sich dabei allerdings um "Einzelfälle", schreibt Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig in der Antwort der Bundesregierung. Die Genehmigungen stünden "entweder im Zusammenhang mit internationalen Rüstungskooperationen, in denen Deutschland an vertragliche Verpflichtungen gegenüber anderen EU- und Nato-Partnern gebunden ist, oder sie dienen der Nato-Bündnisverteidigung".

In den vergangenen Tagen gab es in Deutschland mehrere Anschläge auf türkische Einrichtungen und Moscheen. Ermittler halten es für möglich, dass dahinter kurdischer Protest gegen die türkische Offensive in Syrien steckt.