Die Jugendkammer des Landgerichts Freiburg hat im Prozess um den Mord an einer 19-jährigen Studentin entschieden: Der afghanische Flüchtling Hussein K. wurde wegen Mordes und besonders schwerer Vergewaltigung zu lebenslanger Haft verurteilt (Aktenzeichen 6 KLs 101 Js 37818/16 – Ak 4/17 jug). Die Richter stellten die besondere Schwere der Schuld fest und ordneten anschließende Sicherungsverwahrung an – eine präventive Maßnahme für Täter, die weiter als gefährlich gelten und die therapiert werden. Eine vorzeitige Freilassung nach 15 Jahren Haft ist nahezu ausgeschlossen. Die Verteidiger kündigten an, Revision einzulegen.

Mit seinem Urteil kommt das Gericht der Forderung der Anklage nach. Der Staatsanwalt hat in seinem Plädoyer eine lebenslange Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung sowie das Feststellen der besonderen Schwere der Schuld gefordert. Der Vertreter der Nebenklage, der die Eltern der getöteten Studentin vertrat, hat sich der Forderung angeschlossen. Die Verteidigung sprach sich gegen eine Sicherungsverwahrung aus und plädierte für eine Drogentherapie und Resozialisierungsmaßnahmen für ihren Mandaten.

Die Studentin war im Oktober 2016 vergewaltigt worden und von dem Täter in einen Fluss gelegt worden, wo sie ertrank. Im Dezember 2016 wurde Hussein K. als Verdächtiger festgenommen. Der aus Afghanistan stammende Asylbewerber war nach Behördenangaben im November 2015 ohne Ausweispapiere nach Deutschland gekommen, offiziell als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling. Er lebte seit April 2016 bei einer Pflegefamilie und wurde von einer privaten Jugendhilfeorganisation betreut.

Nach seiner Festnahme hatte Hussein K. gestanden, die junge Frau in der Tatnacht überwältigt, vergewaltigt, bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und in den Fluss gelegt zu haben. Er hatte behauptet, im Affekt gehandelt zu haben, als er das Mädchen, das auf dem Heimweg von einer Party war, vom Rad stieß. Außerdem sei er zur Tatzeit bekifft und betrunken gewesen. Beides hielt die Kammer für unglaubwürdig und attestierte volle Schuldfähigkeit.

Zweifel am Alters des Angeklagten

Fraglich war vor der Urteilsverkündung, ob das Gericht das Jugend- oder das Erwachsenenstrafrecht anwenden würde. Zum Alter des Angeklagten waren widersprüchliche Angaben gemacht worden: Hussein K. hatte erst angegeben, zum Tatzeitpunkt 17 Jahre alt gewesen zu sein, später räumte er ein, gelogen zu haben. Verlässliche Dokumente mit einer Altersangabe existierten nicht. In Gutachten wurde sein Alter zum Zeitpunkt der Tat auf mindestens 22 Jahre geschätzt. Die Anwendung des Jugendstrafrechts ist für Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren und für Heranwachsende im Alter von 18 bis 21 Jahren möglich.

2013 war Hussein K. in Griechenland wegen einer Gewalttat an einer jungen Frau auf Korfu zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden, im Oktober 2015 war er unter Auflagen vorzeitig entlassen worden. Nach seiner Freilassung tauchte er unter. Von diesem Vorfall sei den deutschen Behörden nichts bekannt gewesen. Die Fingerabdrücke und Personalien des Mannes waren seit seiner Ankunft in Griechenland im Jahr 2013 im europäischen Eurodac-System, der Europäischen Datenbank zur Speicherung von Fingerabdrücken, registriert.