Wegen Sprengstoffanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte und politische Gegner in Sachsen sind acht Mitglieder der rechtsextremen Gruppe Freital zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Die sieben angeklagten Männer und eine Frau wurden unter anderem wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung, des Herbeiführens von Sprengstoffexplosionen und versuchten Mordes beziehungsweise Beihilfe dazu schuldig gesprochen.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Gruppe aufgrund rechtsextremer Gesinnung in wechselnder Besetzung und Tatbeteiligung 2015 insgesamt fünf Sprengstoffanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und politische Gegner in Freital und Dresden verübt hat.

Das Oberlandesgericht Dresden verhängte genau ein Jahr nach Beginn des Prozesses für sämtliche Beschuldigte Gefängnisstrafen zwischen vier und zehn Jahren. Wegen Rädelsführerschaft erhielten die Angeklagten Timo S. und Patrick F. mit zehn beziehungsweise neuneinhalb Jahren die höchsten Strafen.

Der zur Tatzeit 18 Jahre alte Justin Sch., der im Prozess umfangreich ausgesagt hatte, erhielt eine Jugendfreiheitsstrafe von vier Jahren. Die einzige Frau in der Gruppe, die 29-jährige Maria K., wurde zu einer Gefängnisstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt. Die übrigen vier Verurteilten im Alter von 27, 30, 39 und 40 Jahren erhielten Freiheitsstrafen zwischen acht und fünf Jahren. Sie alle sitzen bereits seit November 2015 beziehungsweise Frühjahr 2016 in Untersuchungshaft.

Die Bundesanwaltschaft sieht sich durch das Urteil bestätigt, wie Bundesanwalt Jörn Hauschild sagte. Der Senat sei dem Antrag im Grundsatz gefolgt. Die Bundesanwaltschaft hatte für die acht Angeklagten zwischen fünf Jahren Jugendstrafe und elf Jahren Haft gefordert. Die Verteidigung wies den Vorwurf der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und des versuchten Mordes hingegen zurück und verlangte deutlich geringere Strafen. Die Verteidiger von Timo S. und eines weiteren Angeklagten kündigten an, das Urteil anzufechten.

Der Anklage zufolge schlossen sich die sieben Männer und eine Frau im Sommer 2015 mit weiteren Gleichgesinnten zusammen, um Sprengstoffanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte und politische Gegner zu verüben. Sie sollen im selben Jahr unter wechselnder Tatbeteiligung insgesamt fünf Anschläge auf das Auto eines Linken-Stadtrats aus Freital, auf ein Parteibüro der Linkspartei, auf zwei Flüchtlingsunterkünfte in der Stadt und ein linkes alternatives Wohnprojekt in Dresden verübt haben. Nur wegen glücklicher Umstände wurde bei den Anschlägen niemand schwer verletzt oder gar getötet.

Bei den mit selbst gebauten Sprengsätzen, Steinen und illegaler Pyrotechnik begangenen Anschlägen wurden zwei Menschen verletzt. Aus Sicht der Bundesanwaltschaft handelten die Angeklagten aus einer rechten und fremdenfeindlichen Gesinnung heraus. Sie hätten "ein Klima der Angst" schaffen wollen und den Tod von Menschen in Kauf genommen. Insgesamt wurden in 73 Prozesstagen gut 100 Zeuginnen und Zeugen gehört.   

Medienbericht: Ermittlungen gegen zehn weitere Beschuldigte

Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden ermittelt im Zusammenhang mit den Taten der Gruppe Freital einem Medienbericht zufolge gegen zehn weitere Beschuldigte. Wie ein Sprecher dem MDR-Magazin exakt sagte, stehen zwei Personen im Verdacht, Mitglied einer terroristischen Vereinigung gewesen zu sein. Den anderen acht würden Unterstützungshandlungen vorgeworfen.

Zwei Beschuldigte aus Freital hätten nach den MDR-Recherchen eingeräumt, im Juli 2015 an dem Anschlag auf den Pkw des damaligen Linken-Stadtrates Michael Richter beteiligt gewesen zu sein. Sie sollen das Auto gemeinsam mit dem Planer der Gruppe Freital gesprengt haben.

Nach MDR-Informationen sollen unter den Beschuldigten auch drei Lebenspartnerinnen von den verurteilten Mitgliedern der Gruppe Freital sein sowie der Freitaler NPD-Stadtrat Dirk A. Sie sollen in den Geheimchat der Gruppe eingebunden gewesen sein, über den Straftaten geplant wurden. Der NPD-Politiker werde außerdem durch Aussagen von Angeklagten belastet. So soll er gemeinsam mit Mitgliedern der Gruppe Freital ein potenzielles Anschlagsziel in Dresden ausgekundschaftet und im Geheimchat zu Straftaten aufgehetzt haben. Dirk A. bestreite die Vorwürfe und habe sich auf Anfrage des MDR nicht zu den Ermittlungen äußern wollen.