950mal waren Muslime und muslimische Einrichtungen im Jahr 2017 Ziel eines islamfeindlichen Angriffs – mindestens. Das geht aus der Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken-Fraktion im Bundestag hervor, die der Neuen Osnabrücker Zeitung vorliegt. In beinahe allen Fällen sei davon auszugehen, dass es sich bei den Tätern um Rechtsextremisten handele.

Insgesamt seien bei den Übergriffen 33 Menschen verletzt worden. Die Behörden registrierten im Jahr 2017 knapp 60 Anschläge auf Moscheen und andere muslimische Einrichtungen, etwa Schmierereien mit Schweineblut. Zu den erfassten Straftaten zählt auch Hetze im Internet.

Den leichten Rückgang der Angriffe im letzten Quartal des Jahres – 167 registrierte Vorfälle, verglichen mit 288 Vorfällen im dritten Quartal – nannte Ulla Jelpke, Innenexpertin der Linken im Bundestag "zwar erfreulich, aber keinen Grund zur Entwarnung". Besonders mit Blick auf die AfD fürchte Jelpke eine Verfestigung einer muslimfeindlichen Stimmung in Deutschland: "Die Islamhasser haben inzwischen den Sprung von der Straße in den Bundestag geschafft und tragen von der Parlamentstribüne zur Vergiftung des gesellschaftlichen Klimas gegenüber muslimischem Leben in Deutschland bei", sagte die Politikerin.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, äußerte sich skeptisch angesichts der Zahlen des Bundesinnenministeriums. Er sei der Meinung, dass die Statistik nicht alle Delikte erfasse und die Wirklichkeit nur in Teilen abbilde, sagte Mazyek der Neuen Osnabrücker Zeitung. Man müsse von einem "großen Dunkelfeld" ausgehen. Polizei und Staatsanwaltschaften seien oft "noch nicht dafür sensibilisiert", Straftaten richtig einzuordnen. Deshalb würden einige Fälle nicht in der Statistik erfasst. Außerdem erstatteten Betroffene häufig gar nicht erst Anzeige, gab Mazyek zu bedenken.

Das Bundesinnenministerium erfasse erst seit Beginn des Jahres 2017 Daten zu islamfeindlichen Straftaten, deshalb gebe es keine Vergleichswerte für das Vorjahr. Gegen Christen registrierte das Bundeskriminalamt im Jahr 2017 rund 100 Angriffe. In etwa einem Viertel der Fälle waren Kirchen und christliche Symbole angegriffen geworden. In 14 Fällen sei es zu christenfeindlichen Straftaten unter Flüchtlingen gekommen.