Zehntausende Menschen sind in der Slowakei zu Trauerkundgebungen für den ermordeten Journalisten Ján Kuciak und seine Verlobte Martina Kušnírová zusammengekommen. Allein in der Hauptstadt Bratislava nahmen nach Angaben der Organisatoren etwa 25.000 Menschen teil; in 25 weiteren Städten und im Ausland gab es ebenfalls Proteste und Kundgebungen.

Bei den Trauermärschen waren Transparente gegen die internationale Mafia und die politische Elite des Landes zu sehen. Hunderte Demonstranten belagerten nach dem Ende der Veranstaltung in Bratislava den slowakischen Regierungssitz und forderten den Rücktritt von Innenminister Robert Kaliňák. Manche riefen auch den sozialdemokratischen Regierungschef Robert Fico zum Rücktritt auf.

Der 27-jährige Journalist Kuciak hatte über die Verbindungen der italienischen Verbrecherorganisation 'Ndrangheta recherchiert. Seine letzte Reportage sollte anscheinend ein kompliziertes Mafianetzwerk offenlegen, die Verbindungen reichten dabei bis in höchste slowakische Regierungsstellen. Den unvollendeten Text veröffentlichten slowakische Medien in Zusammenarbeit mit dem Portal Aktuality.sk.

Kuciak und seine Freundin waren am Wochenende erschossen aufgefunden worden. Sollten seine Recherchen stimmen, wäre es vier italienischen Familien gelungen, Geld aus staatlichen und EU-Förderungen abzuzweigen. Zur Absicherung ihrer Geschäfte schleusten sie demnach Verbindungsleute zu Politikern der sozialdemokratischen Regierungspartei sowie direkt in das Büro von Regierungschef Robert Fico. Damit hätten sie Zugang zu Staatsgeheimnissen bekommen.

Am Mittwoch trat der slowakische Kulturminister Marek Maďarič wegen des Falles zurück. Schon länger hatte er mögliche Verbindungen zwischen Kriminellen und der Politik angeprangert und den Rücktritt des Innenministers Robert Kaliňák gefordert. Nun sagte Maďarič: "Ich kann es als Kulturminister nicht hinnehmen, dass ein Journalist in meiner Amtszeit ermordet wird."