Nach dem Mord an dem slowakischen Journalisten Ján Kuciak und seiner Verlobten im Februar haben die Ermittlungsbehörden neue Einzelheiten bekannt gegeben. Die Umstände deuteten darauf hin, dass es sich um einen Auftragsmord handelte, sagte der Sonderstaatsanwalt in Pezinok bei Bratislava. So sei am Tatort nichts entwendet worden. Die Tat sei außerdem bereits am 21. Februar geschehen, einen Tag früher als bisher angenommen.

Die Leichen des Journalisten und seiner Verlobten Martina Kušnírová waren am 25. Februar in ihrem Haus entdeckt worden. Den Ermittlern zufolge wurde Kuciak mit zwei Schüssen ins Herz getötet, Kušnírová mit einem Schuss in den Kopf. Bisher seien 200 Zeugen unter anderem aus dem Umfeld der beiden Toten ermittelt und befragt worden, hieß es weiter.

Zum Motiv wollte die Staatsanwaltschaft sich nicht äußern. Kuciak hatte zuletzt zu mutmaßlichen Verbindungen der italienischen Mafia bis in die höchsten Ebenen der Politik recherchiert. Inzwischen ist die gesamte Regierung von Ministerpräsident Robert Fico zurückgetreten.

Kuciak hatte im Umfeld Ficos recherchiert, die Ergebnisse wurden nach Kuciaks Tod in slowakischen Medien veröffentlicht. Nach der Ermordung des Journalisten und seiner Verlobten gab es in der Slowakei Massendemonstrationen.

Die tschechische Journalistin Pavla Holcová, die mit Kuciak zusammengearbeitet hatte, steht unter Polizeischutz. "Allgemein habe ich am meisten Angst davor, dass die Ermordung von Journalisten zu etwas Normalem wird", sagte sie im tschechischen Fernsehen CT. Aus Sicherheitsgründen zeigte sie ihr Gesicht nicht. Sie rief dazu auf, Kuciaks Recherchen fortzusetzen. "Es ist notwendig, weiterzumachen, es ist notwendig, das zu Ende zu führen, was wir mit Ján angefangen hatten."