Eine Lieferung mit Hilfsgütern hat die schwer umkämpfte syrische Enklave Ostghuta erreicht. "Sie sind drinnen", sagte eine Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Der Konvoi aus 13 Lastwagen habe die Frontlinie passiert und befinde sich auf dem Weg nach Duma, der größten Stadt der Enklave.

Laut der britischen BBC ist die Lage in der Enklave derzeit ruhig. "Heute werden die verbleibenden Hilfslieferungen übergeben, die beim vorigen Konvoi am 5. März nicht gebracht wurden", zitierte die BBC Ingy Sedky vom IKRK. "Wir haben außerdem positive Anzeichen, dass in der kommenden Woche ein größerer Konvoi mit weiteren Hilfsgütern, einschließlich medizinischem Material, klappen könnte."

Zuvor hatte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet, dass die Angriffe in der Nacht zum Freitag erstmals seit zehn Tagen aufgehört hätten; kurz darauf berichtete sie jedoch von Luftangriffen. Die Beobachtungsstelle steht der Opposition nahe, ihre Informationen können nicht unabhängig überprüft werden. Reuters zitierte einen Anwohner Ostghutas: "Heute ist die Lage relativ gut, die Bombardierung ist nicht mehr so stark."

Am Montag war der Versuch einer ersten Lieferung des IKRK Hilfskonvois abgebrochen worden, nachdem die Lieferung unter Beschuss geraten waren. Nur 32 von 46 Lastwagen hatten entladen werden können. Die Mission musste vorzeitig beendet werden. Am Donnerstag hatte das Rote Kreuz die Fahrt eines Hilfskonvois erneut verschoben und an die Kriegsparteien appelliert, mit einer Feuerpause humanitäre Hilfe zu ermöglichen.

Die syrische Armee und Russland hatten in weniger als zwei Wochen mit fast ununterbrochenen Luftschlägen und Beschuss große Teile Ostghutas unter Kontrolle gebracht. Nur die Hälfte der Enklave ist noch in der Hand der Rebellen.

Mehr als 800 Zivilisten wurden seit Februar getötet

Auch UN-Generalsekretär António Guterres hatte am Mittwoch alle Konfliktparteien aufgerufen, den Hilfskonvoi zu ermöglichen. Nötig sei ein "sicherer und ungehinderter Zugang für weitere Konvois, um wichtige Lieferungen für Hunderttausende bedürftige Menschen liefern zu können", sagte Guterres. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, hatte am Mittwoch die syrische Führung aufgefordert, ihren "katastrophalen Kurs" in Ostghuta zu beenden. Seit Mitte Februar sollen dort mehr als 800 Zivilistinnen und Zivilisten umgekommen sein. Über getötete Mitglieder von Regierungstruppen sowie von zumeist islamistischen Rebellen gibt es keine Angaben. 

In der Rebellenenklave bei Damaskus leben seit 2013 knapp 400.000 Menschen unter Belagerung. Laut Berichten der Beobachtungsstelle waren syrische Regierungstruppen am Mittwoch weiter in das Gebiet vorgedrungen. Regierungsnahe Milizen hätten unter heftigem Artilleriefeuer einen Keil in das Rebellengebiet getrieben und es aufgespalten. Sie sollen in die Siedlungen und Gehöfte von Beit Saua und Al-Aschari vorgedrungen sein und damit den Nordteil der Region Ostghuta um die Städte Duma und Harasta vom Südteil um Hamurijeh und Erbin getrennt haben. Die Berichte lassen sich nicht unabhängig überprüfen.