Fast sieben Jahre dauert der Krieg in Syrien – das Kinderhilfswerk Unicef hat jetzt einen Bericht vorgestellt, der das Grauen des Kriegs in Zahlen bemisst: Mehr als 1,5 Millionen Menschen erlitten demnach körperliche oder seelische Schäden. Schätzungen zufolge lebten etwa 750.000 Kinder mit einer kriegsbedingten Behinderung. Bei rund 86.000 Menschen seien als Kriegsfolge Gliedmaßen amputiert worden. 

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen forderte, den Zugang zu guter medizinischer und psychologischer Behandlung sicherzustellen. Eine mangelnde Versorgung führe dazu, dass sich Kriegsversehrte langsamer von ihren Verletzungen erholten oder sich ihr Zustand sogar verschlechtere. Gerade für Kinder sei psychologische Betreuung wichtig: Viele hätten durch den Krieg Angehörige verloren, oftmals fehle eine enge Bezugsperson.

Ein neuer "Tiefpunkt der Unmenschlichkeit"

Die Situation in der umkämpften Enklave Ostghuta hat sich nach Angaben von Unicef-Mitarbeitern noch einmal verschlechtert: "Wir dachten, dass der Tiefpunkt der Unmenschlichkeit in Aleppo erreicht worden wäre", sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland. Doch die Lage der Zivilisten in dem belagerten Gebiet im Umland der Hauptstadt Damaskus sei noch schlimmer als das, was Helfer 2016 in Aleppo erlebt hätten. Immer noch befänden sich rund 200.000 Kinder in Ostghuta, 40 Prozent dieser Kinder seien chronisch unterernährt.

Auch mit dem Einsatz von Kindersoldaten befasst sich Unicef in dem Bericht: Alle Parteien, die an den Kämpfen beteiligten seien, hätten im vergangenen Jahr Kinder in den Krieg geschickt. Geert Cappelaere, Unicefs Regionaldirektor für die Regionen Nahost und Nordafrika, sagte: "Jede einzelne Konfliktpartei ist an diesen massiven Kinderrechtsverletzungen beteiligt." Insgesamt seien mindestens 900 Minderjährige in Kämpfen eingesetzt worden, ein Viertel von ihnen sei jünger als 15 Jahre alt gewesen.

Eine Sprecherin des Hilfswerks sagte, dass das Ausmaß der Krise und damit auch der Bedarf an finanzieller Unterstützung weiter gewachsen sei. 2016 waren bei Unicef 8,7 Millionen Euro für Notleidende in Syrien und syrische Flüchtlinge in der Region eingegangen. Die Spendenbereitschaft sei 2017 leicht zurückgegangen.

Acht Millionen Kinder sind nach UN-Informationen auf Hilfe angewiesen. Mehr als die Hälfte der syrischen Bevölkerung sei mittlerweile ins Ausland geflohen oder innerhalb Syriens vertrieben worden.