Die Interessengemeinschaft gestohlene Kinder der DDR hat im Bundestag eine Petition mit der Forderung nach einer sogenannten Clearingstelle zum Thema Zwangsadoptionen überreicht. Das Unrecht müsse aufgearbeitet werden, sagte der Vorsitzende des Leipziger Vereins, Andreas Laake. Der Petitionsausschuss des Bundestags werde sich nun mit den Forderungen befassen. Dazu gehört auch ein Rechtsanspruch auf staatliche Unterstützung.

Ein Autokonvoi mit rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war am Mittwoch in Dresden gestartet. Unter dem Motto "Fahrt für Gerechtigkeit" fuhren sie nach Berlin und übergaben dort die Petition. Der Verein, der nach eigenen Angaben rund 1.500 Mitglieder hat, geht von 300 bis 400 Fällen aus, in denen Kinder ihren leiblichen Eltern auf Druck des DDR-Regimes entzogen wurden.

Kaum Möglichkeiten, Kinder zu finden

Frank Schumann, ein Vertreter des Vereins, sagte tagesschau24, es habe sich häufig um Eltern gehandelt, die nach Lesart des SED-Regimes "politisch unliebsam" waren. Die Kinder seien gleich nach der Geburt für tot erklärt und ohne Wissen der leiblichen Eltern zur Adoption an regimetreue Paare weiter vermittelt worden.

Für die Betroffenen sei es bis heute noch kaum möglich, mehr über den Verbleib ihrer Kinder zu erfahren: "Wenn Sie heute bei einer Adoptionsstelle anfragen, ob Unterlagen vorliegen und Sie diese einsehen möchten, sagt die Adoptionsstelle zum Schutz des Kindes, wir können Ihnen keine Unterlagen geben."

Deshalb fordert der Verein in seiner Petition auch eine gesetzliche Auskunftspflicht für alle Adoptivstellen sowie die Verlängerung von Aufbewahrungsfristen für Akten in Geburtskliniken.

Valide Zahlen liegen noch nicht vor

Die Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur hatten vor Kurzem gefordert, jede Zwangsadoption müsse aufgeklärt werden. Bislang gebe es aber keine seriösen Belege für systematische und flächendeckende Adoptionen gegen den Willen von Kindern und Eltern aus politischen Gründen. "Ungeachtet dessen bleibt jeder einzelne Fall eine Tragödie." Bis heute seien nur wenige Einzelfälle belegt.

Kürzlich war eine Vorstudie zur Dimension politisch motivierter DDR-Adoptionsverfahren zwischen 1966 und 1990 veröffentlicht worden. Aus Sicht der Landesbeauftragten ist die dortige Zahlenschätzung "völlig verfrüht". Notwendig sei eine wissenschaftliche Erforschung.

Der Vorsitzende des Petitionsausschusses, Marian Wendt (CDU), kündigte in der Leipziger Volkszeitung an, er wolle mit der Petition eine politische Debatte über das lange verdrängte Thema anstoßen. Neben dem Interesse der Opfer, ihr Schicksal aufzuklären, müsse "diese dunkle Seite der DDR-Vergangenheit endlich aufgearbeitet werden". Es sei "vielleicht eines der letzten großen Kapitel des DDR-Unrechtsstaates", sagte der CDU-Politiker.