Bei zwei Explosionen im Stadtzentrum von Afghanistans Hauptstadt Kabul sind viele Menschen getötet worden. Nach Polizeiangaben seien mindestens 25 Menschen gestorben. Mindestens 45 Menschen seien verletzt worden. Unter den Toten seien mindestens neun Journalisten, berichtete Reporter ohne Grenzen. Laut der Organisation war es der schwerste Angriff auf Medienschaffende in Afghanistan seit 2001. Das afghanische Sicherheitskomitee für Journalisten bestätigte die Zahl. Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannte sich zu dem Anschlag.  

Begonnen hatte der Angriff mit einem Selbstmordanschlag in der Nähe des Sitzes des Geheimdienstes NDS. Dabei seien fünf Menschen getötet und elf weitere verletzt worden, teilte der Chef der Kabuler Notfalldienste, Mohammad Assim, mit. In der Gegend gebe es darüber hinaus mehrere ausländische Büros, sagte Kabuls Polizeichef Daud Amin. Einem Polizeisprecher zufolge soll ein Selbstmordattentäter auf einem Motorrad die erste Detonation ausgelöst haben.

Nach dem ersten Anschlag habe sich der zweite Attentäter unter die Journalisten gemischt, die zu dem Anschlagsort gekommen waren, um über den Vorfall zu berichten, sagte der Polizeisprecher Haschmat Staneksai. Dann habe er seinen Sprengsatz gezündet. Unter den Toten waren der Cheffotograf der Agentur AFP in Kabul sowie mindestens fünf Journalisten afghanischer Medien, darunter ein Kameramann des Senders Tolo TV. Sechs Journalisten seien verwundet worden, teilten das Sicherheitskomitee und Reporter ohne Grenzen übereinstimmend mit.

Eine IS-Gruppe, die in der afghanischen Provinz Chorasan aktiv ist, teilte auf einer dem IS nahestehenden Internetseite mit, sie habe den Angriff verübt. In der Erklärung werden Journalisten nicht explizit als Ziele genannt, die Zahl der Todesopfer wird überhöht dargestellt. Ziel des Angriffes seien Geheimdienstmitarbeiter gewesen

Der afghanische Präsident Aschraf Ghani verurteilte die Anschläge. In einer Erklärung des Präsidentenpalastes hieß es, dass Anschläge auf unschuldige Zivilisten, Gläubige in Moscheen, nationale und demokratische Prozesse, Reporter und die Redefreiheit Kriegsverbrechen seien.

Erst vor einer Woche hatte ein Selbstmordattentäter mehr als 50 Menschen in Kabul getötet und mehr als 100 weitere verletzt. Es handelte sich um schiitische Zivilisten, die sich für die Parlamentswahl im Oktober als Wählerinnen und Wähler registrieren wollten. Die IS-Terrormiliz hatte den Anschlag für sich reklamiert. Präsident Aschraf Ghani hatte den Anschlag anschließend verurteilt und gesagt, solche Angriffe würden die Menschen nicht von der Teilnahme an demokratischen Wahlen abhalten.