Ermittler haben in einer der Wohnungen des Amokfahrers von Münster Bauteile einer Sprengstofffalle gefunden. Diese seien aber nicht miteinander verbunden gewesen und hätten nur mit hohem Aufwand zusammengebaut werden können, sagte eine Sprecherin der Polizei Münster ZEIT ONLINE. Das wäre kurzfristig nicht möglich gewesen.

Auch im Türbereich seien Bauteile gefunden worden, hieß es weiter. Die Sprecherin schränkte damit Informationen des Spiegel ein, wonach der Täter an einer Tür eine Sprengfalle installiert habe, diese aber nicht funktionstüchtig gewesen sei.

Am vergangenen Samstag war Jens R. mit einem Kleinbus in der Münsteraner Altstadt in eine Gruppe Restaurantbesucher gerast. Zwei Menschen wurden getötet und zahlreiche weitere teils schwer verletzt. Der Amokfahrer erschoss sich anschließend selbst. Münsters Oberstaatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 48-Jährige in Suizidabsicht gehandelt hat.

Wie WDR, NDR und die Süddeutsche Zeitung berichteten, war Jens R. vermögend. Er besaß demnach mehrere Wohnungen in Münster, der sächsischen Landeshauptstadt Dresden und der ostsächsischen Kleinstadt Pirna. Medienberichten zufolge gab es schon länger Hinweise auf psychische Probleme des Mannes. Im März verschickte er Abschiedsbriefe, teils bis zu 90 Seiten lang, an Bekannte. Eine unmittelbar drohende Suizidgefahr sei den Behörden allerdings nicht bekannt gewesen, sagte der Münsteraner Oberbürgermeister Markus Lewe. Laut seiner Einschätzung hätte die Amokfahrt nicht verhindert werden können.

Die Ermittler wissen nicht, wie Jens R. an die Waffe gekommen ist, mit der er sich tötete. Nach Angaben von Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) besaß er keinen Waffenschein. Im Kleinbus des Täters wurden außerdem eine Schreckschusspistole und etwa ein Dutzend sogenannter Polenböller gefunden. Bereits bekannt ist auch, dass Jens R. in einer seiner Wohnungen weitere ähnliche Böller sowie eine unbrauchbar gemachte Maschinenpistole vom Typ AK-47 lagerte.

Dem Spiegel zufolge stießen Ermittler auf weitere gefährliche Materialien: Neben dem Sturmgewehr fanden sie demnach einen Vorderlader, ein halbes Dutzend Gasflaschen, zwei Behälter mit je 20 Litern Benzin, sechs Behälter mit je zehn Litern einer einschlägigen Flüssigkeit. Des Weiteren seien Zündschnüre und Kunstharze sichergestellt worden.

Unklar ist weiterhin, welches Motiv Jens R. für seine Tat hatte. Die Ermittler erstellen derzeit ein Bewegungsprofil, um ein Bild über das Verhalten des Mannes in den vergangenen Wochen zu erhalten. Der Münsteraner Polizeisprecherin zufolge fanden die Beamten mehrere Kommunikationsmittel, darunter Handys und ein iPad. Sie sind sich aber noch nicht sicher, ob sie wirklich Jens R. zugeordnet werden können.