Weil der erste Prozess gegen den US-Schauspieler Bill Cosby nach 52-stündigem Streit der Jury ohne Urteil zu Ende gegangen ist, beginnt am heutigen Montag eine Neuauflage. Die Klägerin Andrea Constand wirft dem heute 80-Jährigen vor, er habe ihr 2004 in seinem Haus in Philadelphia Pillen verabreicht, die sie benommen gemacht hätten. Cosby habe sich daraufhin an ihr vergangen. Zur Untermauerung von Constands Glaubwürdigkeit sollen fünf weitere Frauen gegen den Schauspieler aussagen, die ähnliche Vorwürfe erheben; ihre Fälle sind jedoch verjährt. Cosby selbst ruft zwei zusätzliche Zeugen auf. Ihm drohen bis zu 30 Jahre Haft.

Constand hatte Cosby bereits 2005 verklagt. Es kam damals jedoch zu keinem Prozess, weil sich die beiden ein Jahr später außergerichtlich einigten. Zu den Gründen und Umständen schwiegen beide Seiten. Im Jahr 2015, als Dutzende andere Frauen mit ähnlichen Vorwürfen an die Öffentlichkeit gingen, klagte Constand Cosby erneut an. Das Gericht ließ die Anklage zu und eröffnete den Prozess. 

Cosby selbst sagte damals nicht aus. Seine Verteidigung argumentierte, der Verkehr sei einvernehmlich, Cosby und Constand seien Geliebte gewesen. Das Opfer unglaubwürdig. 2017 endete der Prozess nach sechs Tagen ohne Urteil, weil die Jury sich nicht einigen konnte. Das US-Gesetz schreibt vor, dass Angeklagte "ohne jeden vernünftigen Zweifel" und einstimmig schuldig gesprochen werden müssen. Cosby kam gegen Kaution frei.

Offen ist, welche Beweise und Argumente im zweiten Prozess angeführt werden, und ob Cosby diesmal selbst aussagen wird. Der Richter erlaubt für das zweite Verfahren Aussagen von fünf weiteren Frauen mit ähnlichen Anschuldigungen gegen Cosby, im ersten Verfahren war es nur eine zusätzliche Zeugin. Die Vorfälle, auf die sich die fünf Frauen beziehen werden, ereigneten sich zwischen 1982 und 1989 und sind inzwischen verjährt. Beobachter vermuten, die zusätzlichen Zeuginnen könnten die Glaubwürdigkeit der Klägerin Andrea Constand untermauern und eine Urteilsfindung unterstützen. Die richterliche Zusammensetzung wird dieselbe sein wie 2017.

60 Frauen erheben Vorwürfe

Constand ist eine von insgesamt 60 Frauen, die Cosby sexuelle Übergriffe vorwerfen. Die anderen Fälle sind verjährt und es hat nie eine Anklagen gegeben. Einige dieser Frauen werfen Cosby sexuelle Übergriffe nach Medikamentenvergabe schon seit Jahrzehnten vor, auch öffentlich. Häufig wurde ihnen nicht geglaubt. 2005 sagte Cosby vor Gericht, er habe in mindestens einem Fall einer Frau das Beruhigungsmittel Methaqualon gegeben, um mit ihr Sex zu haben.

Erst Ende 2014 erreichten die Missbrauchsvorwürfe ein größeres Publikum. Was der Auslöser der Debatte war, ist unklar. Unter anderem stellte ein US-Comedian Cosby als Serienvergewaltiger dar, ein Youtube-Video von seinem Auftritt ging viral. Daraufhin veröffentlichte die Washington Post einen Beitrag von Barbara Bowman, die 1985 Opfer von Cosby geworden sein soll, und 2015 widmete das New York Magazine seine Titelgeschichte 35 Frauen, die mit Namen und Gesicht von Übergriffen durch Cosby erzählten.

Cosby war in den Achtzigerjahren mit der Bill Cosby Show weltberühmt geworden. Darin spielte er einen liebenswürdigen Arzt und gutmütigen Familienvater. Er promovierte in Erziehungswissenschaften und schrieb einen Bestseller über das Vatersein. Zeitweise gehörte Cosby zu den bestbezahlten Entertainern der Welt.

Sein Image wurde durch die Vorwürfe nachhaltig beschädigt. Der Fernsehsender NBC zog eine für 2015 geplante Serie mit ihm zurück, Netflix setzte ein Comedy-Special ab und der Sender TV Land nahm Wiederholungen der Bill Cosby Show aus dem Programm.