Laut Medienberichten gibt es den Verdacht auf einen weitreichenden Korruptionsskandal beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Wie Süddeutsche Zeitung, NDR und Radio Bremen berichten, soll eine führende Mitarbeiterin in 1.200Fällen fragwürdige Asylentscheidungen getroffen haben. Flüchtlinge seien möglicherweise anerkannt worden, ohne dass es dafür eine rechtliche Grundlage gab. Der NDR berichtet, es sollen sogar 2.000 Asylentscheidungen betroffen sein.

Laut dem Bericht soll die Mitarbeiterin die Außenstelle des Bamf in Bremen geleitet haben, sie sei mittlerweile vom Dienst suspendiert. Sie soll in der Zeit zwischen 2013 und 2017 mit drei Asylanwälten systematisch zusammengearbeitet haben. Dabei soll es sich auch um Flüchtlinge aus anderen Bundesländern gehandelt haben, für die die Bremer Behörde gar nicht zuständig war. Bei den Flüchtlingen soll es sich vor allem um Jesiden gehandelt haben. Ob die Beamtin Geld als Gegenleistung für die Anerkennungen bekam, sei unklar.

Die Staatsanwaltschaft Bremen habe die Ermittlungen sowohl gegen die Bamf-Mitarbeiterin als auch gegen die Anwälte bestätigt. Die Ermittler hätten auch bestätigt, dass in den vergangenen Tagen in diesem Zusammenhang Objekte in Bremen und Niedersachsen durchsucht worden seien. Der Vorwurf laute auf Bestechlichkeit und bandenmäßige Verleitung zur missbräuchlichen Asylantragsstellung. Vom Bamf war keine Stellungnahme zu erhalten.

Die Bundesregierung sieht bei den Ermittlungen "sehr ernsthafte Verdachtsmomente". Vor einer Bewertung müsse aber die Justiz ihre Arbeit machen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Erst danach könne über mögliche politische Konsequenzen gesprochen werden.

Die SPD will die Korruptionsvorwürfe zum Thema im Innenausschuss machen. Die Fraktion habe für die nächste Sitzung des Ausschusses in der kommenden Woche einen Bericht der Bundesregierung zu den Vorgängen beantragt, sagte SPD-Innenexperte Burkhard Lischka dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Er fordert von der Bundesregierung umfangreiche Informationen zum Fall.