Auf der griechischen Insel Lesbos sind mehrere Flüchtlinge bei Auseinandersetzungen mit rechtsextremen Demonstranten verletzt worden. Wie die Polizei mitteilte, protestierten Anhänger einer rechtsradikalen Gruppe am Sonntagabend an einem Platz in der Inselhauptstadt Mytilini, der zuvor von etwa 200 Afghanen besetzt worden war.

Dabei griffen Rechte Flüchtlinge mit Flaschen und Leuchtraketen an. In einem Video von Lesvosnews ist das Abfeuern von Geschossen zu hören, es sind brennende Müllcontainer zu sehen. Nach Angaben der Polizei erlitten mehr als ein Dutzend Afghanen leichte Verletzungen. Sie wurden in ein Krankenhaus gebracht.

Die Polizei setzte laut Augenzeugen Tränengas ein, um beide Gruppen zu trennen. Trotzdem dauerte die Randale, an der sich später auch linksgerichtete Unterstützer der Flüchtlinge beteiligten, bis in die Nacht.

Die Afghanen protestieren mit der Besetzung des Platzes gegen die schlechten Lebensbedingungen in den überfüllten Flüchtlingslagern auf Lesbos. Die Migrantinnen und Migranten fordern, zum griechischen Festland gebracht zu werden.

Der Polizei gelang es schließlich, den besetzten Platz zu räumen. Die protestierenden Afghanen wurden in die Flüchtlingslager auf Lesbos zurückgebracht. Die Räumung habe keine zehn Minuten gedauert, hieß es.

Die linke Regierungspartei Syriza bezeichnete die Angreifer als rechtsextreme Verbrecher. "Dies war eine gut organisierte Aktion, mit mörderischer Absicht, durch spezielle rechtsextreme, kriminelle und Hooligan-Elemente, die nichts mit der Insel oder ihren Traditionen zu tun haben", teilte die Partei mit.

"Unsere Insel einmal mehr als Geisel"

Menschenrechtsorganisationen machen immer wieder auf die alarmierenden Zustände in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Ägäis-Inseln aufmerksam. In den Erstaufnahmelagern auf Lesbos, die für 3.000 Flüchtlinge ausgelegt sind, warten derzeit mehr als 6.500 Menschen auf die Bearbeitung ihrer Asylanträge.

Der Bürgermeister von Lesbos, Spyros Galinos, hatte sich unmittelbar vor den Ausschreitungen dafür eingesetzt, dass die Regierung etwas gegen die Überfüllung der Lager unternimmt. "Es gibt 10.000 Asylsuchende und unsere (Gemeinde) hat eine Bevölkerung von 27.000", schrieb Galinos in einem Brief an die griechischen Minister für Migrationsangelegenheiten und öffentliche Ordnung. "Unsere Insel ist einmal mehr als Geisel genommen worden."