Nach jahrelangem Rückgang nehmen Kriminalität und Gewalt an Schulen in vielen Bundesländern zu. Die Landeskriminalämter (LKA) haben im letzten Jahr einen teils deutlichen Anstieg von Schulstraftaten verzeichnet. Zu den Gründen gibt es noch keine Angaben, bundesweite Zahlen will das Bundeskriminalamt in einigen Wochen vorlegen. Wie auch in den vergangenen Jahren waren die meisten Täter deutsch und männlich.

Eines der betroffenen Bundesländer sei Niedersachsen, dort sei auch die gesamte Jugendkriminalität im vergangenen Jahr angestiegen. In den  zehn Jahren zuvor war die Zahl minderjähriger Tatverdächtiger noch stetig gesunken, im vergangenen Jahr registrierte das LKA einen Anstieg um vier Prozent. Die Zahl tatverdächtiger Kinder stieg sogar um ein Fünftel. 

Auch in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland, nahmen an den Schulen im Vergleich zum Vorjahr die Gewaltdelikte  zu, allerdings gab es weniger Fälle von Diebstahl. Nach Angaben des LKA stiegen die Körperverletzungen von 5.600 auf 6.200, Vergewaltigungen und sexuelle Nötigungen von 40 auf 55 Fälle. Insgesamt waren in dem Bundesland im vergangenen Jahr 22.900 Straftaten an Schulen registriert worden, etwa 1.000 mehr als im Vorjahr.

Zumindest bis 2016 waren in ganz Deutschland auch die sogenannten Raufunfälle an Schulen zurückgegangen, also Fälle, bei denen nach einer Auseinandersetzung zwischen Schülern ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden musste. Nach den Zahlen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung hatten sich die Raufunfälle an Schulen mit leichten und schwereren Verletzungen seit 1993 in etwa halbiert.

Bis 2015 Rückgang der Jugendkriminalität

Einen deutlichen Rückgang der Jugendkriminalität insgesamt hatte im Januar eine Studie des Bundesfamilienministeriums (PDF) gezeigt. Demnach hatte sich zwischen 2007 und 2015 der Anteil minderjähriger Tatverdächtiger – also Jugendlicher zwischen 14 und 18 Jahren – halbiert. Die Forscher hatten den Rückgang unter anderem damit begründet, dass "sich eine gewaltfreie, von emotionaler Nähe geprägte Erziehung immer weiter durchsetzt".

Der jetzige Anstieg könnte auch an einer gestiegenen Bereitschaft liegen, Vorfälle an Schulen zu melden, meint der Kriminologe Christian Pfeiffer. In Zeiten großer medialer Aufregung über Gewalt würden Straftaten häufiger angezeigt. Würden Ausländer als Täter vermutet, steige die Anzeigebereitschaft noch einmal zusätzlich. Dies sei statistisch erwiesen.