Drei Monate vor der Präsidentschaftswahl in Mali ist es im Norden des Landes erneut zu Attacken durch mutmaßliche Dschihadisten gekommen. Dabei seien mindestens 40 Tuareg getötet worden, sagte der Gouverneur der Region Ménaka, Daouda Maïga. Die bewaffneten Angreifer hätten am Donnerstag und Freitag auf Motorrädern nahe der Grenze zum Niger zugeschlagen. Die Toten seien überwiegend junge Männer, allerdings seien auch Frauen, Kinder und alte Menschen darunter, sagte Maïga. Sidigui Ag Hamadi, ein Stammesvertreter in der Stadt Ménaka, sprach von 43 Toten.

Der Gouverneur sagte, die Angriffe seien womöglich von Mitgliedern der Fulbe-Ethnie verübt worden, die einem in der Sahara aktiven Ableger der IS-Terrormiliz angehören. Ihre Attacken könnten ein Vergeltungsakt für Militäraktionen gewesen sein, die von Tuareg in der Region unterstützt würden. Genauso gut könnte es sich aber um einen Versuch der Extremisten handeln, Streitereien zwischen Tuareg-Angehörigen und Fulbe-Hirten um Land auszunutzen. Anfang April hatten Tuareg laut einem UN-Vertreter 95 Zivilisten vom Volk der Fulbe in der Region getötet.

Hamadi sagte, als Reaktion auf die Angriffe hätten Tuareg-Kämpfer begonnen, die Stützpunkte der Dschihadisten "zu zerstören und sie zu vernichten". Er machte insbesondere die Dschihadistengruppen Gatia und MSA für die Angriffe an der Grenze zum Niger verantwortlich, diese wiesen die Vorwürfe zurück. Die Dschihadisten in dieser Gegend haben der IS-Miliz die Treue geschworen.

Gewalt gefährdet Präsidentschaftswahl am 29. Juli

Die malische Armee und französische Soldaten haben den Dschihadisten in der Region zuletzt schwere Verluste gebracht. Sie verstärkten ihre Offensive gegen die Extremisten im Vorfeld der für den 29. Juli geplanten Präsidentschaftswahl in Mali. Dabei werden sie häufig auch von bewaffneten Tuareg-Gruppen unterstützt. Präsident Ibrahim Boubacar Keïta strebt seine zweite Amtszeit an. Die wachsende Gewalt im Land schürt jedoch Sorgen, ob die Wahlen tatsächlich abgehalten werden können.

2012 hatten mehrere überwiegend islamistische Gruppierungen die Kontrolle über den Norden Malis übernommen. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich griff 2013 militärisch ein und drängte die Islamisten und Tuareg-Rebellen zurück. Mittlerweile überwacht die UN-Mission Minusma einen 2015 geschlossenen Waffenstillstand.

Die Vereinten Nationen haben insgesamt 13.000 Soldaten und Polizisten in Mali stationiert, viele von ihnen im unruhigen Norden. Auch die Bundeswehr ist an dem gefährlichen Einsatz beteiligt, das Mandat wurde kürzlich auf bis zu 1.100 deutsche Soldaten erhöht. Außerdem hat Frankreich im Zuge der "Operation Barkhane" etwa 4.000 Soldaten in der Sahelzone stationiert.