Der russische Journalist Marxim Borodin ist am Sonntagmorgen gestorben. Der 32-Jährige war drei Tage zuvor aus noch ungeklärten Gründen vom Balkon seiner Wohnung aus dem fünften Stock in einem Mehrfamilienhaus im russischen Jekaterinburg gestürzt. Nachbarn hatten den Reporter gefunden und Rettungskräfte verständigt.

Es gebe kein Anzeichen für ein Verbrechen, teilte die zuständige Ermittlungskommission mit. Die Ermittler gingen "von einem unglücklichen Vorfall" aus und unterstellen einen Suizid.

Harlem Désir, Beauftragter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) für die Freiheit der Medien, schrieb auf Twitter, Borodins Tod sei Anlass für "ernsthafte Besorgnis". Er forderte von den Behörden am Montag eine "rasche und gründliche Untersuchung". Organisationen wie Reporter ohne Grenzen machen sich für eine "sorgfältige und unvoreingenommene Aufklärung" stark. 

Borodin hatte für den Pressedienst Nowi Den (Neuer Tag) gearbeitet und teils gefährliche Recherchen durchgeführt. Zuletzt hatte er über den Tod mehrerer russischer Söldner der sogenannten Gruppe Wagner in Syrien geschrieben. Die private Sicherheitsfirma Wagner Group bezahlt seit 2015 Kämpfer für ihren Einsatz in Syrien. Borodins Recherchen zufolge steckt ein enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin hinter der Gruppe.

Einem Bericht der britischen Zeitung The Times zufolge soll der verstorbene Journalist kurz vor seinem Tod Freunden erzählt haben, dass er bedroht worden sei. Menschen in Tarnkleidung seien vor seiner Tür gewesen, ein Mann dabei bewaffnet gewesen sein. Der Journalist habe seinen Freunden etwas später aber auch gesagt, dass es nur eine Übung gewesen sein soll.

Nach Angaben des Komitees zum Schutz von Journalisten wurden seit 1992 in Russland 58 Reporter getötet. Die Hintermänner dieser Verbrechen konnten nur selten überführt werden.