Der US-Schauspieler Bill Cosby ist in einem Prozess wegen sexueller Nötigung schuldig gesprochen worden. Die Jury verkündete ihre Entscheidung am Gericht in Norristown im US-Bundesstaat Pennsylvania, wie die Staatsanwaltschaft von Montgomery County mitteilte. In allen drei Fällen schwerer sexueller Nötigung, die Cosby vorgeworfen wurden, entschied die Jury auf schuldig. Nun könnte dem 80-Jährigen eine lange Haftstrafe drohen. Sein Anwalt Tom Mesereau kündigte Berufung an. Der Kampf sei nicht vorbei, sagte er vor dem Gerichtsgebäude.

Vor etwa zehn Monaten war ein erster Prozess geplatzt, weil die damalige Jury sich auch nach tagelangen Beratungen nicht hatte einigen können. Beide Male ging es um die Frage, ob Cosby 2004 die frühere Universitätsangestellte Andrea Constand in seinem Haus in einem Vorort von Philadelphia mit Tabletten hilflos gemacht und dann sexuell genötigt hat.  

Cosby, der in den Achtzigerjahren mit der Bill Cosby Show weltberühmt geworden war, hatte die Vorwürfe immer zurückgewiesen. Er selbst hatte in beiden Prozessen nicht ausgesagt, aber über seine Anwälte mitteilen lassen, es habe sich um einvernehmlichen Sex gehandelt. In einer außergerichtlichen Einigung hatte er Constand bereits mehr als drei Millionen Dollar gezahlt. 

Kraftausdruck, als Staatsanwalt Gefängnis beantragt

Cosbys Verteidigung hatte Constand als Trickbetrügerin dargestellt, die es auf das Geld des Entertainers abgesehen hatte. Die Staatsanwaltschaft beschrieb sie dagegen als Opfer Cosbys, auch sie selbst hatte sich im Zeugenstand so geäußert. Insgesamt haben bislang mehr als 50 Frauen dem Schauspieler öffentlich sexuelle Belästigung vorgeworfen, die meisten mutmaßlichen Fälle sind verjährt.  

Die Jury aus sieben Männern und fünf Frauen hatte etwa 14 Stunden lang beraten. Als das Urteil verlesen wurde, starrte Cosby geradeaus. Wenige Momente später beschimpfte er den Staatsanwalt Kevin Steele als "Arschloch", nachdem dieser den Richter darum gebeten hatte, dass Cosby sofort ins Gefängnis kommt, um eine Flucht zu verhindern. Cosby bestritt, dass er ein Flugzeug habe. Der Richter entschied, dass keine Fluchtgefahr bestehe und Cosby auf Kaution frei bleiben kann, bis über das Strafmaß entschieden ist. Laut New York Times musste Cosby aber seinen Reisepass abgeben. 

Staatsanwalt Steele zeigte sich hocherfreut über das Urteil. "Heute können wir endlich sagen, dass der Gerechtigkeit genüge getan wurde", sagte er in einer Pressekonferenz an der Seite von Constand. Er hoffe, das Urteil sende eine Botschaft an alle Missbrauchsopfer, dass sie solche Verbrechen anzeigen sollten. Cosby sei zu lange straffrei geblieben, sagte Steele. "Er nutzte seine Prominenz. Er nutzte seinen Wohlstand, sein Netzwerk aus Unterstützern, um seine Verbrechen zu vertuschen. Jetzt wissen wir, wer der wahre Bill Cosby war."