Im westafrikanischen Niger ist ein deutscher Entwicklungshelfer entführt worden. Die in Bonn ansässige Hilfsorganisation Help bestätigte die Entführung ihres Mitarbeiters. Man handele "in enger Abstimmung mit dem Krisenstab des Auswärtigen Amtes". Wie die Nachrichtenagentur AFP vom Präfekten der Stadt Ayorou erfuhr, verschleppten bewaffnete Männer den Deutschen am Mittwoch nahe Ayorou in der westlichen Region Tillabéri. In der Grenzregion zu Mali sind bewaffnete Dschihadisten aktiv.

Dem Präfekten zufolge wurden der Deutsche und sein Fahrer auf dem Rückweg von einem Einsatz von bewaffneten Männern auf Motorrädern angehalten. Die Angreifer hätten die beiden verprügelt, den Deutschen mitgenommen und das Fahrzeug angezündet, berichtete der Präfekt. Er berief sich auf die Aussage des Fahrers. Dem Onlineportal Actuniger zufolge waren Islamisten für die Tat verantwortlich.

Help wollte keine weiteren Angaben zu dem Fall machen. Die stellvertretende Geschäftsführerin Bianca Kaltschmitt sagte der Deutschen Presse-Agentur, bei dem Entführten handelt es sich um einen "erfahrenen Kollegen". Die Organisation ist seit 2005 in Niger aktiv und betreibt dort vor allem Gesundheitsprojekte sowie Projekte gegen Unterernährung.

Die Region Tillabéri gilt als äußerst instabil. Es gibt dort immer wieder Anschläge durch dschihadistische Gruppierungen. Ziele sind häufig militärische Einrichtungen und Flüchtlingslager. Im vergangenen Oktober wurden in Ayorou zwölf nigrische Polizisten getötet. Im gleichen Monat starben vier US- und vier nigrische Soldaten durch einem Angriff.

Auch die Entführung ausländischer Helfer ist nicht ungewöhnlich. Im Oktober 2016 war ein US-Entwicklungshelfer aus seinem Haus in Abalak in der Region Tahoua verschleppt worden. Ein nigrischer Soldat und ein Wachmann wurden dabei getötet, von der US-Geisel fehlt bis heute jede Spur.

Die Entführung des deutschen Help-Mitarbeiters erfolgte zeitgleich mit dem Beginn der Militärübung Flintlock, an der mehr als 1.500 afrikanische, europäische und US-Soldaten im Niger beteiligt sind.