Die Verteidigung der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe hat ihr Plädoyer im NSU-Prozess mit weiteren Vorwürfen gegen die Bundesanwaltschaft fortgesetzt. "Was nicht passt, wird passend gemacht", sei der rote Faden im Plädoyer der Anklagebehörde gewesen, sagte Rechtsanwalt Hermann Borchert vor dem Oberlandesgericht München. Die Anklage ignoriere Fakten oder lasse solche unerwähnt, die Zweifel an den Behauptungen der Anklage aufkommen lassen könnten – "wohl aus Prinzip und um die Anklage stimmig zu halten".

Borchert verteidigte in seinen Ausführungen vor allem das Aussageverhalten Zschäpes. Anders als von der Bundesanwaltschaft und von einigen Nebenklägern behauptet, habe sie nicht lediglich eine Teilaussage gemacht. "Meine Mandantin hat sich nicht nur teilweise geäußert. Sie hat zu sämtlichen Punkten ausgesagt", sagte Borchert. Es sei ihr aber nach den Erfahrungen mit der Nebenklage im Prozessverlauf nicht zu verübeln, dass sie sich nicht den zu erwartenden mehreren hundert Fragen der Nebenkläger habe aussetzen wollen.

Tatsächlich hatte sich Zschäpe erst nach zweieinhalb Jahren Prozessdauer erstmals geäußert und dann auch nur schriftlich. Fragen beantworteten sie und ihre Anwälte ebenfalls nur schriftlich – und zwar nur diejenigen des Gerichts, nicht aber der Anklage oder der Nebenkläger. Borchert warf der Bundesanwaltschaft nun vor, aus diesen Aussage Zschäpes unvollständig zitiert zu haben. Dies sei "manipulativ". Die Staatsanwälte müssten sich deshalb Kritik wegen Voreingenommenheit und einseitiger Beweiswürdigung durchaus gefallen lassen.

Borchert hatte am Vortag mit seinem Plädoyer begonnen, das er zusammen mit seinem Kollegen Mathias Grasel halten will und das möglicherweise noch bis diesen Donnerstag dauern könnte. Die beiden Anwälte weisen insbesondere den zentralen Anklagevorwurf zurück, Zschäpe sei Mittäterin an allen Morden und Anschlägen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) gewesen. Die Bundesanwaltschaft sieht sie dagegen neben Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt als gleichberechtigtes Mitglied des NSU-Trios und fordert für die heute 43-Jährige lebenslange Haft und anschließende Sicherungsverwahrung.

Verteidigung weist alle Vorwürfe zurück

Mit den Plädoyers der Verteidiger geht das seit Mai 2013 laufende Verfahren in die letzte Etappe. Zuletzt hatten diverse Befangenheitsanträge und juristische Streitereien dies fast zwei Monate lang verzögert. Auch der Vortrag von Borchert und Grasel wird wohl länger als die dafür ursprünglich angesetzten zwei Verhandlungstage dauern. Wegen Verzögerungen am ersten Tag und verschiedener Pausen zeichnete sich ab, dass sich das Plädoyer bis Donnerstag zieht. Damit dürfte dann auch erst die Strafmaßforderung der Verteidigung folgen.

Zuvor aber wird Rechtsanwalt Borchert alle Vorwürfe der Bundesanwaltschaft zurückgewiesen haben. Dazu gehört auch der Punkt, wonach seine Mandantin an der Waffenbeschaffung des NSU beteiligt gewesen sein soll. Das sei falsch, sagte der Verteidiger und kritisierte die Anklage, für diese Behauptung auch keinen Beweis vorgelegt zu haben. Dass sie nach dem mutmaßlichen Selbstmord von Mundlos und Böhnhardt im November 2011 keine der Waffen aus der gemeinsamen Unterkunft mitgenommen hat, spreche für Zschäpe.

Anders als von der Anklage behauptet, habe das Anmieten von Wohnungen auch nicht zum Vorbereiten der Anschläge gedient, sagte Borchert. Es sei nur darum gegangen, sich beim Leben im Untergrund vor Strafverfolgung zu schützen. Die Planung und Durchführung der Morde durch Böhnhardt und Mundlos habe jedenfalls nicht von den Wohnungen abgehangen. Auch die Bezeichnung "Kommandozentrale" für die Wohnungen der drei sei falsch. Bei 27 Straftaten, die zu verschiedenen Zeitpunkten begangen worden seien, habe die Anklage nur in einem einzigen Fall ein Telefonat nachweisen können. Dies spreche gerade gegen den Vorwurf, Zschäpe habe Kommandos erteilt.