Die österreichische Polizei ermittelt gegen führende Verantwortliche der Identitären Bewegung. Es bestehe der Verdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung und der Verhetzung nach den österreichischen Strafgesetzen, bestätigte der zuständige Staatsanwalt dem Standard. Die Razzien in sechs verschiedenen Privatwohnungen und vier Geschäfts- beziehungsweise Vereinslokalen in Graz, Wien, Linz und Griffen begannen demnach schon am Donnerstag. Am Freitag machte die Identitäre Bewegung Österreich das Vorgehen bekannt.

Auch die Wohnungen der beiden Chefstrategen Martin Sellner und Patrick Lenart wurden durchsucht. In einem Posting auf Facebook schrieb die Bewegung, die Polizei habe "unter anderem Datenträger und Dokumente beschlagnahmt, die für unsere politische Arbeit extrem wichtig sind". Wegen der Ermittlungen habe die ungarische Bank der Identitären ihr Spendenkonto gekündigt. Der politische Aktivismus der Identitären sei "immer friedlich und bewegt sich im demokratischen und rechtsstaatlichen Rahmen", schrieben sie weiter.

Die Identitäre Bewegung Österreich macht sich gegen Migration und für die Rückkehr aller Zuwanderer stark. Ein relativ kleiner Kreis von Vordenkern und PR-Managern erzielt über Facebook eine große Breitenwirkung. Auch in Deutschland ist sie aktiv und hat ein Netzwerk in zahlreichen Regionen geknüpft. Hier gibt es Verbindungen zur AfD. Würden die Ermittlungen in Österreich zur Anklage und Verurteilung führen, dürfte das Auswirkungen auf die Identitäre Bewegung auch in anderen Ländern haben. Denn die Strategen in Österreich beeinflussen die Szene in ganz Europa. 

Durch gezielte Aktionen weckten Aktivisten der Bewegung in den sozialen Netzwerken große Aufmerksamkeit. So besetzten sie das Brandenburger Tor in Berlin. Um gegen Migranten auf dem Mittelmeer Stimmung zu machen, charterte die Identitäre Bewegung im vergangenen Jahr ein Schiff, von dem Aktivisten regelmäßig Meldungen absetzten, unter anderem über die Arbeit der Seenotretter, die in dem Verein als Gegner und Schleuser betrachtet werden. Wegen der Aktion hatte der Bezahldienstleister PayPal deren Konto gekündigt.

2017 waren interne Papiere bekannt geworden über die Strategie der Identitären. Darin erhielten die Aktivisten auch Tipps im Falle von Hausdurchsuchungen, wie Medien berichteten. Dass es zu Strafverfolgung kommen könnte, war ihnen also bewusst.