Ein mildes Urteil in einem aufsehenerregenden Prozess hat in Spanien Empörung ausgelöst. Nach landesweiten Protesten kritisierten am Freitag erstmals auch Mitglieder der Zentralregierung die Entscheidung des Gerichts. Es sei an der Zeit, zu überlegen, ob man die Definition von Vergewaltigung im Strafgesetzbuch nicht ändern müsse, sagte die Verteidigungsministerin und Generalsekretärin der Volkspartei (PP) von Ministerpräsident Mariano Rajoy, María Dolores de Cospedal, im Interview mit dem Radiosender Cope.

Die fünf angeklagten Männer waren zuvor im Landgericht von Navarra in Pamplona wegen wiederholten sexuellen Missbrauchs unter der Ausnutzung der schutzlosen Lage des Opfers (einer 18-Jährigen) zu jeweils neun Jahren Haft verurteilt worden. Die Staatsanwaltschaft hatte die 27- und 28-jährigen Angeklagten des gewaltsamen sexuellen Übergriffs beschuldigt und Haftstrafen von jeweils knapp 23 Jahren gefordert. Die Richter sahen den Tatbestand der Vergewaltigung nicht gegeben, weil es, wie es im Urteil heißt, "weder Schläge noch Drohungen" gegeben habe. Einer der drei Richter sprach sich sogar für Freispruch aus, wurde aber überstimmt.

Im Juli 2016 hatten die fünf Männer die junge Frau, die sie kurz zuvor bei den Feiern am Rande des Stiertreibens von Pamplona kennengelernt hatten, nach Mitternacht in einen dunklen Hausflur gedrängt. Sie filmten anschließend, wie sie sich an der jungen Frau vergingen und teilten über WhatsApp die Aufnahmen auch mit anderen. Die Gruppe, die sich La Manada (das Rudel) nannte, brüstete sich mit der Tat. Die Männer beteuerten, die auf den Aufnahmen passive junge Frau habe freiwillig mitgemacht – anders, als sie später aussagte.

Nach Bekanntgabe des Urteils gingen Tausende in spanischen Städten auf die Straße, um ihrem Ärger Luft zu machen. Frauen skandierten: "Wenn man uns nicht tötet, glaubt man uns nicht!" Barcelonas linksgerichtete Bürgermeisterin Ada Colau war unter etwa 6.000 Demonstranten der katalanischen Hauptstadt. "Das Urteil spiegelt den Machismo in unserer Gesellschaft wider", klagte sie. Die Anwälte beider Seiten kündigten Berufung an.