Seit mehr als zehn Jahren wird in Berlin über die Straßennamen im Afrikanischen Viertel in Wedding diskutiert. Sie stehen teilweise in Zusammenhang mit den Verbrechen der deutschen Kolonialzeit. Nun könnten die betreffenden Straßen tatsächlich umbenannt werden, wie der Tagesspiegel berichtet. Die Bezirksverordneten der drei großen Parteien der Bezirksverordnetenversammlung Mitte (Grüne, SPD und Linke) haben sich im Kulturausschuss auf neue Namensgeber für die Petersallee, die Lüderitzstraße und den Nachtigalplatz geeinigt.

Straßennamen - Rassismus auf Straßenschildern Seit Jahren fordern Interessengruppen die Umbenennung der Berliner Mohrenstraße. Ein Experte von der Geschichtswerkstatt schlägt eine andere Lösung vor. Eine Videoreportage © Foto: Thabo Thindi

CDU, FDP und AfD votierten gegen den Antrag, über den kommende Woche in der Bezirksverordnetenversammlung final abgestimmt wird. Da Grüne, SPD und Linke zusammen die Mehrheit der Stimmen haben, gilt es als sicher, dass der Antrag angenommen wird.

Die Petersallee, die nach dem Rassisten Carl Peters benannt wurde, soll  künftig am Nachtigalplatz geteilt werden. Peters etablierte durch Betrug und Gewalt die Kolonie Deutsch-Ostafrika. Die eine Hälfte soll künftig Maji-Maji-Allee heißen. Der andere Straßenteil soll laut Tagesspiegel nach Anna Mungunda benannt werden.

Die Lüderitzstraße, die auf den Kolonialisten Adolf Lüderitz zurückgeht, soll demnach Cornelius-Frederiks-Straße heißen. Lüderitz wurde vor allem durch den sogenannten Meilenschwindel bekannt – einen Betrug, durch den er erworbenes Land um ein Vielfaches vergrößerte und damit die Grundlage der Kolonie Deutsch-Südwestafrika legte.

Neuer Namenspate für den nach Gustav Nachtigal benannten Platz soll die Familie Bell werden. Afrikaforscher Nachtigal war Reichskommissar für Deutsch-Westafrika.

Mit der neuen Namensgebung folgen die Politiker wissenschaftlichen Empfehlungen. Der Maji-Maji-Aufstand gilt als größter Befreiungskampf der deutschen Kolonialzeit. Anna Mungunda war die erste Frau in Namibia, die die Unabhängigkeitsbewegung unterstützte. Cornelius Frederiks führte den Widerstandskrieg der Nama im damaligen Deutsch-Südwestafrika – dem heutigen Namibia – an. Rudolf Douala Manga Bell und seine Frau Emily Douala Manga Bell waren Antikolonialaktivisten.

Bis zur endgültigen Umbenennung der Straßen könnte es aber noch einige Zeit dauern – auch weil möglicherweise Anwohner mit den neuen Namen nicht einverstanden sind und dagegen klagen könnten.