Syrien soll bei Angriffen auf die Stadt Duma in Ostghuta Giftgas eingesetzt haben. Das berichten Rettungskräfte und Hilfsorganisationen, die syrische Regierung dementiert die Vorwürfe. Duma ist die letzte von Rebellen gehaltene Stadt in der Region, die islamistische Rebellengruppe Dschaisch al-Islam beschießt von dort aus immer wieder die Hauptstadt. Nach zehn Tagen Waffenruhe fliegen Syrien und Russland seit Samstag wieder Luftangriffe auf die Stadt.

Die syrische Hilfsorganisation Weißhelme berichtete, ein Wohngebiet sei mit Chlorgas angegriffen worden. Danach hätten mehrere Bewohner unter Atemnot gelitten. Auch Ärzte der Syrian American Medical Society haben nach eigenen Angaben mehrere Verletzte mit Symptomen einer Chlorgasvergiftung behandelt. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete zunächst von mindestens elf Menschen mit Atemnot oder Erstickungsanfällen. Darunter seien auch fünf Kinder.

Später konkretisierte die Organisation Weißhelme ihre Angaben: Aus einem Hubschrauber sei eine Fassbombe mit Chemikalien über der Stadt abgeworfen worden. Dabei seien mindestens 150 Menschen getötet und mehr als 1.000 verletzt worden. Ganze Familien seien in ihren Schutzunterkünften erstickt. Die Zahl der Opfer steige.

Syrische Regierung dementiert

Auch die Hilfsorganisation UOSSM ging von einem Chemiewaffenangriff aus. Sie sprach zunächst von 25 Toten und mehr als 500 Verletzten. "Das ist eine der schlimmsten chemischen Attacken in der syrischen Geschichte", sagte der UOSSM-Vorsitzende Ghanem Tayara. Die Berichte konnten zunächst nicht unabhängig verifiziert werden.

Die US-Regierung prüft nach Angaben von Außenministeriumssprecherin Heather Nauert die Berichte über den möglichen Giftgasangriff. Sollten sie sich bestätigen, sei eine sofortige Antwort der internationalen Gemeinschaft gefordert. "Die Vereinigten Staaten bemühen sich weiterhin, mit allen verfügbaren Kräften diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die Chemiewaffen einsetzen – in Syrien oder anderswo", sagte Nauert.

Die syrische Regierung nennt die Vorwürfe des Giftgasgebrauchs eine Farce. Syrien habe es "nicht nötig, irgendeine chemische Substanz einzusetzen", sagte ein Regierungsvertreter der staatlichen Nachrichtenagentur Sana.

Ein Rettungshelfer sprach von den ersten Angriffen mit Kampfflugzeugen und Hubschraubern seit mehreren Tagen. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtet von parallelen Angriffen der syrischen Armee am Boden. Staatlichen Medien zufolge sind Soldaten auf Befestigungen am Rande von Duma vorgerückt. Außerdem bombardierten Kampfflugzeuge das Hauptquartier und das Kommandozentrum der Rebellengruppe.