Nach dem Angriff auf einen Kippa tragenden Mann im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg in der vergangenen Woche hat der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, Einzelpersonen davon abgeraten, im "großstädtischen Milieu in Deutschland" die traditionelle jüdische Kopfbedeckung  zu tragen. Zugleich habe er aber das Gefühl, "dass man im Großteil der Gesellschaft verstanden hat, dass wir an einem gewissen Wendepunkt angekommen sind", sagte Schuster dem rbb-Sender Radioeins.

Schuster hatte bereits 2015 davor gewarnt, in überwiegend von Muslimen bewohnten Vierteln einiger Städte Kippa zu tragen. Später hatte er hinzugefügt, dies gelte auch für Stadtteile, in denen Rechtsextremisten besonders präsent seien. Nun bezog er seine Warnung grundsätzlich auf Großstädte.

Wenn es nicht gelinge, offenem Antisemitismus entgegenzutreten, "dann stellt dies letztendlich auch eine Gefahr für unsere Demokratie dar", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden. "Denn es geht nicht nur um Antisemitismus, damit einher geht auch Rassismus, damit einher geht auch Fremdenfeindlichkeit. Hier bedarf es eines klaren Stoppschildes."

Antisemitismus als Sünde

Unterdessen hat der Zentralrat der Muslime in Deutschland den Antisemitismus als Sünde bezeichnet und ein engagiertes Eintreten des Verbandes gegen Judenfeindlichkeit unter Flüchtlingen zugesagt. "Antisemitismus, Rassismus und Hass sind große Sünden im Islam, deshalb werden wir das auch niemals dulden", sagte Zentralratspräsident Aiman Mazyek der Rheinischen Post.

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin hat für Mittwoch zu einer Solidaritätsaktion mit den Juden in der Stadt aufgerufen. Unter dem Motto "Berlin trägt Kippa" sollen möglichst viele Menschen ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen.

Die Polizei verzeichnet seit Jahren einen Anstieg antisemitischer Angriffe, 2017 lagen ihr 288 Fälle vor. Noch höhere Zahlen ermittelte die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS) für 2017. Sie verzeichnete 947 Fälle, darunter allerdings auch solche, die nicht strafrechtlich relevant sind.

Antisemitismus - »Hast du keine Angst?« Sieben Jüdinnen und Juden erzählen, was ihre Identität ausmacht und wie sich Antisemitismus anfühlt. Dafür ließen sie sich auf ein Videoexperiment ein. © Foto: Kevin McElvaney für ZEIT ONLINE