Nach dem Frontalzusammenstoß zweier Züge im schwäbischen Aichach mit zwei Toten ist gegen den zuständigen Fahrdienstleiter Haftbefehl erlassen worden. Der 24-Jährige darf sich vorläufig frei bewegen. Gegen Auflagen wurde der Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts der fahrlässigen Tötung außer Vollzug gesetzt, da keine unmittelbare Fluchtgefahr bestehe, teilte das Augsburger Polizeipräsidium mit. Die Ermittler werfen dem Mitarbeiter der Deutschen Bahn vor, für den Unfall verantwortlich zu sein. 

Der von Augsburg nach Ingolstadt fahrende Regionalzug war am Montagabend (21.20 Uhr) wenige hundert Meter vor dem Bahnhof Aichach frontal auf die Lok eines stehenden Güterzugs gefahren. Dabei starben der 37 Jahre alte Lokführer und eine 73 Jahre alte Passagierin. 14 Menschen wurden zudem teils schwer verletzt. Insgesamt saßen in der Regionalbahn etwa 30 Fahrgäste.

Der Fall weckt Erinnerungen an das Zugunglück von Bad Aibling, bei dem Anfang 2016 zwölf Menschen als Folge eines Fehlers des Fahrdienstleiters starben. Der inzwischen rechtskräftig zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilte Mann hatte während des Diensts am Handy gespielt und durch mehrere fatale Fehler den Frontalzusammenstoß zweier Personenzüge verursacht.

Polizeisprecher Markus Trieb sagte, ob auch der Fahrdienstleiter in Aichach abgelenkt gewesen sei, werde geprüft. Ob er während der Dienstzeit sein Handy betrieben habe, sei Teil der laufenden Ermittlungen. Der Tatverdacht gegen den zur Unfallzeit allein für die Strecke verantwortlichen Mann habe sich dadurch ergeben, dass es keine Hinweise auf einen technischen Defekt gebe.

Die Staatsanwaltschaft Augsburg wollte sich mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht näher dazu äußern, was genau der Mann falsch gemacht haben soll.

Die Ermittlungsarbeiten an der Unfallstelle dauerten auch am Dienstag noch an. Ein Ende sei nicht vor dem Abend zu erwarten, sagte der Polizeisprecher. Erst danach könne die Bergung der zwei Züge erfolgen. Nachdem diese erfolgt sei, könne die betroffene Bahnstrecke zwischen Augsburg und Ingolstadt wieder freigegeben werden. Neben Experten von Polizei und Bahn arbeitete auch ein unabhängiger Gutachter an der Unfallstelle.