Ein interner Bericht aus der Bremer Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) enthält Anschuldigungen gegen die Nürnberger Zentrale. Es dränge sich der Verdacht auf, "dass an einer echten Aufklärungsarbeit kein gesteigertes Interesse besteht, um nicht dem Ansehen des Bundesamts zu schaden", heißt es in dem 99 Seiten umfassenden Papier, über das die ZDF-Sendung Frontal 21 und die Nürnberger Nachrichten berichten.

"Massiv gegen geltendes Recht verstoßen"

Verfasst hat den Bericht die aktuelle Leiterin der Bremer Außenstelle, Josefa Schmid. Sie hatte den Posten übernommen, nachdem ihre Vorgängerin wegen Korruptionsvorwürfen zurücktreten musste. Zwischen 2013 und 2016 soll die langjährige Außenstellenleiterin mindestens 1.200 Menschen Asyl gewährt haben, obwohl die Voraussetzungen dafür nicht gegeben waren. In den meisten Fällen geht es laut Staatsanwaltschaft um Kurden, die angaben, zur Religionsgemeinschaft der Jesiden zu gehören.

Interne Prüfer des Bamf kommen nach Spiegel-Informationen inzwischen zu dem Schluss, dass die Frau "massiv gegen geltendes Recht und aufenthaltsrechtliche Bestimmungen, sicherheitsrechtliche Vorgaben und innerbetriebliche Anweisungen verstoßen" hat. Zudem bestehe der Verdacht, sie habe Akten manipuliert. Die Frau soll unter Asylbescheide die Unterschriften von Mitarbeitern eingefügt haben, obwohl sie von ihr stammten. Fragen zu den Vorwürfen ließ sie unbeantwortet.

Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Bestechlichkeit und "bandenmäßiger Verleitung zur missbräuchlichen Asylantragstellung" gegen die frühere Leiterin sowie gegen einen Dolmetscher und drei Anwälte. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) kündigte die Einrichtung einer Untersuchungskommission an, zehntausende Asylverfahren sollen noch einmal überprüft werden, der Bundesrechnungshof will die Arbeitsabläufe in der Behörde untersuchen.

Amtsspitze soll in Affäre verstrickt sein

Laut den Medienberichten heißt es in dem internen Report, es gehe um "mindestens 3.332 unzulässigerweise in Bremen bearbeitete Asylanträge". Für Josefa Schmid ist es der wohl "bisher größte Flüchtlingsskandal in der Bundesrepublik Deutschland", an dem auch die Zentrale der Behörde in Nürnberg einen entscheidenden Anteil hatte. Trotz mehrfacher Hinweise aus der Mitarbeiterschaft wurden die Machenschaften in Bremen "langjährig" gebilligt. Es bestehe der Verdacht, "dass die Zentrale selbst in die Angelegenheit verstrickt ist". Die Nürnberger Zentrale dulde zumindest "Fehlverhalten zugunsten des guten Rufes nach außen".

Adressiert ist der Bericht an Seehofers Parlamentarischen Staatssekretär Stephan Mayer, der bereits Anfang April eine "schriftliche Darstellung" der Vorgänge erhalten haben soll. Wie die Nürnberger Nachrichten sowie die Welt berichtet hatten, hatte eine Mitarbeiterin der Bremer Außenstelle einen Bericht an das Büro des CSU-Abgeordneten geschickt und ebenfalls von "mehr als 3.000 fragwürdig bearbeiteten Asylanträgen" gesprochen. Dieselbe Mitarbeiterin soll bereits im Februar einen ausführlichen Bericht an die Bamf-Zentrale in Nürnberg geschickt haben. Dieser wurde dann laut Bericht der Staatsanwaltschaft zur Verfügung gestellt, nicht aber dem Ministerium.