In der belgischen Stadt Lüttich hat ein Mann drei Menschen erschossen, die Ermittlungsbehörden gehen von einem terroristischen Hintergrund aus. Ein Sprecher der Behörde sprach von Elementen, die auf eine terroristische Tat schließen lassen. Nach Angaben des Lütticher Polizeichefs nahm der Angreifer gezielt den belgischen Staat ins Visier. "Das Ziel des Angreifers war es, die Polizei zu treffen, also die Institution, den belgischen Staat", sagte Christian Beaupère.

Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, ereignete sich die Tat gegen 10.30 Uhr. Der Täter habe zunächst zwei Polizistinnen im Alter von 45 und 53 Jahren von hinten mit einem Messer angegriffen, ihnen dann eine ihrer Schusswaffen entrissen und beide damit getötet. Kurz darauf habe er einen 22-Jährigen erschossen, der in seinem in der Nähe parkenden Auto saß. Schließlich sei der Angreifer in eine Schule geflüchtet, wo er während eines Schusswechsels mit Mitgliedern einer Spezialeinheit von diesen getötet wurde. Zwei Beamte seien dabei verletzt worden.

Offenbar in der Haft radikalisiert

Laut belgischen Medienberichten handelte es sich bei dem Täter um einen Häftling auf Freigang. Er war demnach am Sonntag für einige Stunden aus dem Gefängnis entlassen worden und hätte sich bis Montagabend wieder dort einfinden müssen. Er soll sich in Haft islamistisch radikalisiert haben und bislang mit Drogenhandel und Diebstahl aufgefallen sein.

Premierminister Charles Michel sprach von "feiger und blinder Gewalt". Im Lütticher Rathaus wurde ein Kondolenzbuch ausgelegt.

Belgien war in der Vergangenheit das Ziel mehrerer terroristischer Attacken. Bei der schwersten töteten islamistische Extremisten in Brüssel am 22. März 2016 in der Metro sowie am Flughafen 32 Menschen. Seitdem gab es auch mehrere Angriffe auf Polizisten und Soldaten. Der letzte als terroristisch eingestufte Anschlag ereignete sich am 25. August 2017, als ein 30-jähriger Mann Soldaten im Zentrum von Brüssel mit einem Messer angriff. 

Terrorwarnstufe beliebt auf niedrigerem Stand

Mitte Januar hatte die belgische Regierung die Terrorwarnstufe im Land wieder auf Stufe zwei herabgesetzt, ein Anschlag gilt demnach als "wenig wahrscheinlich". Behörden, Medien und Bürger sind jedoch nach wie vor sensibilisiert. Nach der Attacke in Lüttich teilte das Krisenzentrum mit, die Terrorwarnstufe bleibe auf der zweitniedrigsten Stufe. "Im Moment ändert sich nichts", sagte ein Sprecher.